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Nahid träumt von einem eigenen Zimmer

25.11.2021 05:30, Von Felix Lorber — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Auf der Flucht nach Europa: Nahid kommt aus Afghanistan. Doch dort möchte das Mädchen nicht mehr leben. Zusammen mit ihrer Familie hat sie schon einen langen Weg hinter sich.

Bosnien-Herzegowina: Ein Zeltlager von Flüchtlingen in der Nähe von Velika Kladusa. In diesem Zeltlager lebt Nahid mit ihrer Familie.  Foto: Felix Lorber/dpa
Bosnien-Herzegowina: Ein Zeltlager von Flüchtlingen in der Nähe von Velika Kladusa. In diesem Zeltlager lebt Nahid mit ihrer Familie. Foto: Felix Lorber/dpa

Nahid liebt es zu schreiben. Sie träumt davon, eines Tages Bücher zu schreiben. Darin will sie erzählen, was sie erlebt hat. Nahid ist 16 Jahre alt. Gemeinsam mit ihren Eltern und ihren beiden Brüdern ist sie auf der Flucht.

Die Familie kommt aus Afghanistan. Das Land liegt in Asien. In den vergangenen Jahrzehnten gab es dort immer wieder Krieg und Gewalt. Deshalb wollen viele Menschen das Land verlassen, so wie Nahids Familie. Nahid hofft auf Sicherheit in Europa und ein besseres Leben: „Unser Traum ist das Leben, das die Kinder in Europa bereits haben.“

In Afghanistan konnte Nahid zur Schule gehen. Mit ihren Eltern wohnte sie in einem Haus. Heute schlafen sie zu fünft in einem Zelt. Oft träumt Nahid davon, ein eigenes Zimmer zu haben. Seit viereinhalb Jahren reist die Familie von Land zu Land. Sie wollen in der Europäischen Union (abgekürzt: EU) Asyl beantragen. Das Wort bedeutet: Menschen, die von Krieg oder Verfolgung bedroht sind, sollen in Europa Schutz bekommen.

Doch das ist alles andere als einfach. Bis sie am Ziel sind, haben Nahid und ihre Familie einen langen und schweren Weg vor sich. Sie müssen Berge und Flüsse überqueren, meistens zu Fuß. Dabei müssen sie vorsichtig sein. Die Polizei darf sie nicht entdecken. „Warum können wir nicht reisen wie andere Menschen?“, fragt Nahid.

Das hat mit verschiedenen Dingen zu tun. Die europäischen Länder sind sich zum Beispiel nicht einig, wie die Menschen in Europa verteilt werden sollen. Manche Länder wollen gar keine Flüchtlinge aufnehmen. Deshalb bewachen Polizisten oder Soldaten ihre Grenzen. Teilweise haben Polizisten auch schon Gewalt gegen Flüchtlinge angewendet.

Viele Male schon hat Nahids Familie versucht, in die EU zu kommen. Doch immer wieder wurde sie zurückgeschickt. „Die Polizisten sagen, wir wollen euch nicht bei uns“, erzählt Nahid. Deshalb steckt sie jetzt mit ihrer Familie in dem Land Bosnien-Herzegowina fest. Das Land liegt neben Kroatien, direkt an der Grenze zur EU.

Wie Nahid und ihre Familie leben hier Hunderte Menschen in Zelten. Auf einem großen Feld haben sie ein Lager gebaut. Von hier aus versuchen sie immer wieder, in die EU zu laufen. Sie nennen den Weg das Game, ein Spiel also. Wer es schafft, hat gewonnen. „Wir spielen mit unseren Leben“, sagt Nahid.

Wenn der Winter kommt, ist das Spiel erst mal beendet. Dann liegt Schnee in den Bergen, und die Menschen können nicht mehr weiterlaufen. Nahid und ihre Familie haben es wie viele andere auch nicht geschafft. Sie müssen sich eine Unterkunft für den Winter suchen. Im nächsten Jahr werden sie es wieder versuchen.

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