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Mit Kraft den Kalkstein holen

28.09.2020 05:30, Von Philipp Brandstädter, dpa — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Kalkstein wird als Baustoff genützt

In großen Mengen wird Kalkstein aus der Erde geholt. Denn dieses Gestein braucht man überall als wichtigen Baustoff. Dabei kommen mächtige Fahrzeuge und Maschinen zum Einsatz. Und außerdem reichlich Sprengstoff.

Kalkstein entstand im Laufe von Millionen Jahren. Man kann darin auch versteinerte Muscheln und Schneckenhäuser finden.  Foto: Philipp Brandstädter/dpa
Kalkstein entstand im Laufe von Millionen Jahren. Man kann darin auch versteinerte Muscheln und Schneckenhäuser finden. Foto: Philipp Brandstädter/dpa

RÜDERSDORF (dpa) Aus der Ferne erkennt man kaum, dass die Radlader auf dem Gelände wirklich riesig sind. „Schon allein die Räder dieser Fahrzeuge sind größer als ein Erwachsener“, erklärt Lisa Sieg. Die Geologin steht auf einer Art Baustelle an der Kante eines riesigen Grabens. Dieser Graben ist ein so genannter Tagebau. Hier wird ein Rohstoff gewonnen, den wir dauernd brauchen: Kalkstein.

Seit Jahrhunderten gewinnen die Menschen Kalkstein

„Kalkstein gibt es eigentlich überall im Norden Deutschlands“, sagt die Wissenschaftlerin. „Aber hier ist so viel davon so weit an der Oberfläche vorhanden, dass man gar nicht tief graben muss.“

Hier, das ist in Rüdersdorf im Bundesland Brandenburg. Dort gewinnen die Menschen schon seit Jahrhunderten Kalkstein.

Der Grund: Kalkstein ist ein sehr festes Material. Deshalb wird er schon lange als Baustoff genutzt. „Mit dem Kalkstein aus Rüdersdorf wurde unter anderem der Berliner Reichstag, das Fundament des Brandenburger Tors oder auch Teile des Olympiastadions gebaut“, sagt Lisa Sieg.

Kalkstein wird im Tagebau gefördert

Jede Menge Kalkstein wurde schon in Rüdersdorf gefördert. So ist der Tagebau inzwischen etwa vier Kilometer lang, einen Kilometer breit und an manchen Stellen bis zu 100 Meter tief.

Dort unten wird das Material von den Wänden gesprengt. Dazu werden tiefe Löcher ins Gestein gebohrt. In die steckt man Sprengstoff, den man kontrolliert explodieren lässt. So lösen sich große Felsbrocken von den Wänden.

Diese herausgebrochenen Brocken nennt man im Bergbau auch Haufwerk. Riesige Bagger und Radlader nehmen dieses Haufwerk auf und fahren es zu einer großen Maschine in einem Gebäude: Das ist die Brecheranlage.

„In der Brecheranlage wird das Gestein in etwa handtellergroße Teile zerkleinert“, erklärt Lisa Sieg. Dann werden die Stücke weiter verarbeitet. Manchmal werden sie mit Sieben von Schmutz befreit oder auch gewaschen. Die Kalksteine werden dann in größere und kleinere Stücke zerteilt: um etwa Zement herzustellen oder um Schotter für den Bau von Straßen zu liefern.

Häufig wird Kalkstein auch in Öfen gebrannt. „Bei großer Hitze entsteht auf diese Weise Branntkalk“, erklärt Lisa Sieg. Das graue Gestein verwandelt sich in weißen Kalk. Der wird zum Beispiel auf Baustellen verwendet, wenn man mit Mörtel Wände verputzt. Außerdem verteilen Landwirte ihn als Dünger auf Feldern. Kalkstein steckt auch dort, wo wir ihn nicht erwarten: in Zahnpasta und anderer Kosmetik zum Beispiel. „In Form von winzig kleinen Körnchen hilft der Kalk beim Putzen“, erklärt die Geologin Lisa Sieg.

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