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Mit Klaudia im Deutsch-Unterricht – Ein Ball hilft beim Lernen

31.05.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Deutsche Wörter flutschen aus Klaudias Mund nicht so schnell wie polnische. Kein Wunder. Denn sie lebt in Polen und lernt Deutsch als Fremdsprache in der Schule. Das Fach gehört zu ihren Lieblingsfächern.

Lehrer und Lehrerinnen an Klaudias Schule tragen Schildchen um den Hals. Darauf steht ihr Name und ihre Bezeichnung – also zum Beispiel „Deutschlehrer“. „Das ist bei uns Vorschrift“, erklärt die Lehrerin Ewa Kulczyk. „Damit die Schüler wissen, mit wem sie es zu tun haben.“  Foto: Kristina Puck
Lehrer und Lehrerinnen an Klaudias Schule tragen Schildchen um den Hals. Darauf steht ihr Name und ihre Bezeichnung – also zum Beispiel „Deutschlehrer“. „Das ist bei uns Vorschrift“, erklärt die Lehrerin Ewa Kulczyk. „Damit die Schüler wissen, mit wem sie es zu tun haben.“ Foto: Kristina Puck

Es klingelt, aber nur kurz. Zwei Minuten haben die Schüler noch, um vor dem Flur des Klassenzimmers herumzuhängen. Dann klingelt es noch einmal. Lauter und viel länger. Der Unterricht geht los. Es ist Mittwoch, 13.50 Uhr. Klaudia Lipska und ihre Mitschüler drängen sich auf ihre Plätze. Die 15-Jährige hat noch zwei Stunden Deutsch. „Das ist aber nicht schlimm“, sagt sie. „Ich mag Deutsch bei Frau Kulczyk.“

Allerdings ist Deutsch nicht Klaudias Muttersprache. Also nicht die Sprache, in der sie ständig redet. Denn normalerweise plaudert sie auf Polnisch. Die Schülerin lebt in Danzig. Das ist eine Stadt in unserem Nachbarland Polen. In Danzig übernachtet die deutsche Nationalmannschaft während der Fußball-Europameisterschaft. Im Klassenzimmer hat sich Klaudia auf ihren Platz in die dritte Reihe gesetzt und ihre Deutsch-Sachen aus der Tasche gekramt. Die Lehrerin Ewa Kulczyk legt mit Grammatik los. „Nein, der Unfall ist nicht aufzuklären“, liest Klaudia vor. Es geht um die richtige Form des Verbs.

Die Grammatik fällt der 15-Jährigen schwer. „Die Grammatik ist anders als in Polnisch“, sagt sie. Es sei schwierig, die Wörter beim Sprechen in die richtige Reihenfolge zu bringen. Klaudia erklärt: „Ich bleibe zu Hause, weil ich krank bin, sagt man auf Deutsch. Auf Polnisch ist es: ,weil bin krank‘.“

Wenn man sich mit ihr unterhält und Fragen stellt, versteht Klaudia viel. Auf Deutsch zu schreiben falle ihr aber leichter als zu sprechen, gesteht die Schülerin. „Wenn ich etwas schreibe, kann ich überlegen“, begründet sie.

Egal ob fürs Schreiben oder Sprechen – Vokabeln lernen ist bei jeder Fremdsprache ein Muss. Klaudia hat sich dafür einen Trick einfallen lassen. Manchmal denkt sie sich mit den neuen Wörtern ein Lied aus, um sie sich besser merken zu können. Sie reiht dabei deutsche und polnische Wörter immer abwechselnd aneinander.

Ihre Deutsch-Lehrerin spielt mit den Schülern manchmal ein Spiel, damit die deutschen Wörter besser im Kopf hängenbleiben. Das macht sie auch am Mittwoch. Ewa Kulczyk holt einen kleinen, weichen Ball hervor. Damit werden die Wörter für die Sportarten wiederholt.

Die Lehrerin sagt zum Beispiel „lekkoatletyka“ und wirft gleichzeitig den Ball einem Schüler zu. Der antwortet: „Leichtathletik“ – und schmeißt den Ball zurück. So geht es weiter, bis die Klasse einige Sportarten genannt hat. „Weil wir solche Spiele machen, mag ich den Deutsch-Unterricht. Das machen wir in anderen Fächern nicht“, sagt Klaudia.

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