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Mit der Lok problemlos über Grenzen rollen

13.07.2019, Von Stefanie Paul — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jeden Tag fahren viele Güterzüge von Deutschland in ein angrenzendes Land

Die Autobahnen sind voll mit Lastwa-gen, die Güter in verschiedene Länder bringen. Es gibt aber auch einen Transportweg ohne Staus: mit dem Zug! Das geht jetzt sogar noch einfacher. Und zwar mit speziellen Loks.

Ralf Koch von der DB Cargo steht vor einer Vectron Lok im Güterbahnhof Kijfhoek, Niederlande.   Foto: Stefanie Paul
Ralf Koch von der DB Cargo steht vor einer Vectron Lok im Güterbahnhof Kijfhoek, Niederlande. Foto: Stefanie Paul

Die Bremsen hat Marek de Haan schon überprüft. Alles in Ordnung! Auch der Fahrplan für den Lokführer liegt schon bereit, genauso wie die wichtigen Frachtpapiere. In denen steht etwa, was in einem Güterwagen drin ist und wo seine Reise hingeht. Alles da!

Eigentlich könnte es nun losgehen. Doch die Ampel steht noch auf Rot. Es gibt ein Problem an den Gleisen. Ein Kollege des Lokführers meldet: Man habe Rauch entdeckt, vielleicht von einem Feuer. Das müsse man klären. Nach ein paar Minuten kommt die Entwarnung: Kein Brand an den Gleisen. In einem Schrebergarten verbrennt nur jemand Laub. Das qualmt fürchterlich!

Endlich wechselt die Ampel auf Grün und Lokführer Marek de Haan bewegt den Gashebel. Langsam setzt sich die rote Lok in Bewegung – und mit ihr 36 schwer beladene Güterwagen. Darunter sind auch spezielle Wagen mit sogenanntem Gefahrgut. Das sind zum Beispiel Stoffe, die giftig sind oder leicht entzündbar.

So ein Güterzug kann ganz schön lang sein

Insgesamt 663 Meter ist der Güterzug lang und superschwer. Aber das bemerkt man vorn in der Lok kaum. Nur leise surrt der Motor. Langsam rollt der Zug aus dem Güterbahnhof der Stadt Köln. Sein Ziel liegt mehrere Hundert Kilometer entfernt: in unserem Nachbarland, den Niederlanden. Zum Güterbahnhof Kijfhoek geht die Reise, nahe dem riesigen Hafen der Stadt Rotterdam.

Marek de Haan ist dafür verantwortlich, dass der Güterzug sicher sein Ziel erreicht. Seit 35 Jahren arbeitet er schon als Lokführer. Normalerweise ist er auf seinen Fahrten allein unterwegs. Doch an diesem Tag hat er Gesellschaft bekommen: von einer Reporterin und von Ralf Koch. Der arbeitet bei der Güterbahn der Deutschen Bahn und erklärt unterwegs, was es mit den Signalen entlang der Schienen auf sich hat. Sie zeigen dem Lokführer zum Beispiel an, mit welcher Geschwindigkeit er fahren darf und ob der Zug anhalten muss.

Aber erstmal wird der Zug schneller! Mit der Höchstgeschwindigkeit von knapp 100 Kilometern pro Stunde saust der Zug dahin: vorbei an den Städten Duisburg und Oberhausen, weiter in Richtung Grenze.

Früher war es kompliziert, einen Güterzug von einem Land in ein anderes fahren zu lassen. „Denn in den einzelnen Ländern haben zum Beispiel die Stromleitungen eine unterschiedlich starke Spannung“, erklärt Ralf Koch. Und in jedem Land gibt es eine andere Technik – für den Funk, für die Signale und für die Sicherheit. Deshalb musste man immer an einem Bahnhof kurz vor der Grenze anhalten und die Loks vor den Güterwagen tauschen. Das kostete Zeit und war sehr aufwendig.

Heute geht es oft einfacher. Denn es wurden Loks gebaut, die in verschiedenen Ländern funktionieren. Sie können sich an die unterschiedlichen Spannungen und Techniken anpassen. Die rote Lok vorne am Güterzug von Marek de Haan ist so eine. Es ist eine Vectron-Lok, die erst seit kurzer Zeit im Einsatz ist.

Kurz vor der Grenze fährt der Lokführer den Stromabnehmer herunter. Diese Art Stange verbindet die Lok mit der Stromleitung über ihr. Ist der Stromabnehmer abgesenkt, bekommt die Lok keine Energie mehr. „Jetzt fahren wir gerade nur noch mit Schwung“, erklärt Ralf Koch.

Dann legt der Lokführer einen Schalter um. Die Bildschirme, auf denen zuvor die Geschwindigkeit und andere Daten angezeigt wurden, werden kurz schwarz. Einen kurzen Moment später leuchten sie wieder auf – und sehen plötzlich ganz anders aus. Die Lok hat jetzt sozusagen ihr Programm gewechselt, das ist so ähnlich wie am Computer.

Nun kann der Lokführer den Stromabnehmer wieder ausfahren, die Lok bekommt neuen Strom – und weiter geht die Fahrt.

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