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Mit den Nasenprofis in der Schule

07.07.2022 05:30, Von Mariana Friedrich — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Was lernen Hunde und ihre Besitzer in einer Hundeschule? Sonja Fischer ist Hundetrainerin und bringt Menschen bei, wie sie ihre Hunde besser verstehen. Dabei geht es weniger um Kommandos wie Sitz und Platz, aber viel um das richtige Näschen.

ADLISWIL. Heute müssen alle die Klappe halten. Das erklärt Hundetrainerin Sonja Fischer den Menschen. „Heute machen wir einen stillen Spaziergang“, sagt sie. „Ihr findet auf eurem Weg Stationen mit Aufgaben. Aber ihr dürft nicht mit euren Hunden sprechen.“ Die Hundetrainerin begleitet drei Teams auf den Trainingspfad. Ein Team, das sind immer ein Hund mit einem oder mehreren seiner Menschen.

In der Hundeschule: Lemi sucht den Baum nach Leckereien ab.  Foto: Mariana Friedrich/dpa
In der Hundeschule: Lemi sucht den Baum nach Leckereien ab. Foto: Mariana Friedrich/dpa

Ihren Hunden nur über Körpersprache zu zeigen, was sie machen sollen, ist eine völlig neue Erfahrung für die Hundehalter. „Wie bei einer Fremdsprache müssen wir auch die Ausdrücke der Hundesprache lernen“, erklärt Sonja Fischer. Genau das übt sie mit ihren Gruppen spielerisch. Es soll ja auch Spaß machen.

Hunde sind Nasenprofis. Das können sie an einer der Stationen beweisen. Hunde wittern Leckereien, Gegenstände oder Menschen viele Meter weit. Heute dürfen die Hunde Appa, Johnny und Lemi einen Baum absuchen. An der Rinde haben ihre menschlichen Begleiter vorher Leckereien versteckt. „Je mehr Erfolgserlebnisse Hunde dabei haben, desto mehr vertrauen sie sich und ihren Nasen“, sagt Sonja Fischer.

Auch die Hunde sollen lernen, ihre Besitzer richtig zu verstehen. Dafür lernen sie, darauf zu achten, was ihre Menschen ihnen zeigen. Das üben die Teams noch mal extra an der letzten Station. Die Menschen sollen es schaffen, dass ihr Hund zu ihnen kommt. Aber sie dürfen nicht rufen. Dafür müssen sie genau wissen, wie sie ihren Hund freundlich einladen können, allein durch Körperhaltung und Bewegungen.

Auch hier werden die Hunde mit Leckereien belohnt. So jagen die drei Hunde immer zwischen ihren Menschen und Sonja Fischer hin und her, bis das gut klappt. Nebenbei toben sich die Tiere richtig aus. Denn nicht nur Kopf und Nase wollen Hunde fit halten, sie wollen sich auch bewegen.

Sich bewegen, miteinander kommunizieren und neue Dinge üben: Darum geht es also für Hunde und ihre Menschen in der Hundeschule. Dafür bieten die vielen Trainer und Trainerinnen verschiedene Kurse. Am Ende aber geht es ihnen darum: Hunde und Menschen sollen zusammen entspannt durch den Alltag gehen.

In Sonja Fischers Hundeschule geht das Training jetzt zu Ende. „Hunde müssen sich 18 bis 20 Stunden am Tag ausruhen“, sagt sie. „Dann sollten sie sich zurückziehen können. Und wir sollten sie nicht stören.“ Damit sie bis zur nächsten Stunde gemeinsam üben können, gibt Sonja ihren Teams noch Hausaufgaben mit. Denn Hunde lernen jeden Tag und nicht nur im Training.

Interessant ist auch: Hunde benutzen keine Wörter. Aber sie kommunizieren trotzdem sehr viel. „Wir Menschen müssen lernen, wie unser Hund aussieht, wenn er sich wohl oder eben unwohl fühlt“, erklärt Hundetrainerin Sonja Fischer. „Wenn ein Hund gähnt, kann es sein, dass er Stress hat. Wenn er schmatzt oder sich über die Lippen leckt, möchte er oft zeigen: Du, ich bin nett zu dir. Aber ich fühle mich gerade unwohl.“ Hunde nutzen solche Gesten, um uns zu beschwichtigen.

Erst wenn das alles nichts nützt, beginnt ein Hund in der Regel zu knurren oder zu bellen. „Wahrscheinlich hat er dann schon viermal den Kopf abgewendet, sich über die Lippen geleckt und geblinzelt, und wir haben das nicht verstanden“, sagt Trainerin Sonja Fischer. Hunde knurren also nicht, weil sie böse sind. Sie wollen mit Knurren warnen. Es ist Teil ihrer Sprache. Oft wollen sie zum Beispiel, dass jemand auf Abstand bleibt.

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