Schwerpunkte

Paulas Nachrichten

Melinas Mutter lebt im Gefängnis

29.03.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Seit zwei Jahren sitzt Mutter Pia im Gefängnis. Manchmal darf sie für ein paar Stunden raus – zum Arbeiten oder um sich mit ihrer Familie zu treffen. Sie hofft, dass sie bald ganz herauskommt. Dann kann sie endlich ihre Tochter Melina wieder öfter sehen.

Hohe graue Mauern, eine schwere rote Tür und Gitter vor den Fenstern: Hier, im Gefängnis in der Stadt Gelsenkirchen, ist Mutter Pia momentan zu Hause. Sie hat einen schweren Raubüberfall begangen und sitzt deswegen seit zwei Jahren im Knast. In der ersten Zeit hat sie ihre Tochter Melina gar nicht gesehen. Raus durfte sie natürlich auch nicht. „Am Anfang war ich zwei Monate im geschlossenen Vollzug“, erzählt Pia. Sie ist um die 30 Jahre alt. Pia ist übrigens nicht ihr richtiger Name – und auch Melina heißt eigentlich anders. Die Namen sind erfunden, weil nicht jeder wissen soll, was Melinas Mutter getan hat.

Mittlerweile ist Pia im sogenannten offenen Vollzug untergebracht. Das heißt: „Ich kann mich hier drinnen frei bewegen, nur die Tür nach außen ist abgeschlossen“, sagt Pia. Sie hat ihr eigenes Zimmer. Es gibt eine Küche, in der sie sich was zu essen machen kann. Und sie hat sogar zwei Katzen. Ein bisschen erinnert die Umgebung an ein Wohnheim oder an ein Krankenhaus – nur dass die Fenster vergittert sind. Und der Beamte, der die Tür bewacht, sitzt hinter dicken Scheiben. Obwohl es ein Besucherzimmer mit Spielecke gibt, war Pias Tochter noch nie hier drinnen. „Das wollte ich nicht“, sagt die Mutter und zeigt auf die Gitter vor den Fenstern. Es ist ihr nicht leicht gefallen, ihrer Tochter zu sagen, wo sie ist. „Ich hab ihr gesagt: Mama kann dich nicht so oft sehen, ich bin nicht im Krankenhaus oder so, ich bin bei der Polizei und die lassen mich nicht raus“, erzählt Pia. Damals war ihre Tochter noch nicht einmal in der Schule. Jetzt ist sie ein bisschen älter und versteht natürlich immer mehr. Trotzdem hat Pia ihr nicht gesagt, warum genau sie im Knast ist. „Das möchte ich ihr nicht sagen, das ist schon peinlich genug“, sagt sie.

Melina lebt bei ihrem Vater und ihre Mutter sieht sie alle zwei Wochen. Denn manchmal darf Pia für ein paar Stunden raus aus dem Knast. Im offenen Vollzug geht es ein bisschen lockerer zu: Pia geht draußen arbeiten wie andere Leute. Und sie hat öfter mal ein paar Stunden Freigang. Dann unternimmt sie schöne Sachen mit Melina. Sie gehen dann zum Beispiel ins Schwimmbad oder ins Kino. Aber der Abschied ist jedes Mal schwer. „Die Kleine weint immer, wenn sie gehen muss“, sagt Pia. Manchmal ist Pia sogar ein ganzes Wochenende draußen. Dann zählt jede Stunde. „Ich stehe dann sonntags schon um sechs Uhr auf, dann habe ich mehr Zeit“, sagt sie. Sie hofft, dass sie vielleicht bald ganz aus dem Gefängnis herauskommt. Weil sie einen guten Eindruck macht und ihre Tat bereut. Aber das entscheiden Fachleute. „Manchmal gibt es Blitz-Entlassungen, vielleicht kommt bald ein Fax, dass ich gehen kann“, hofft Pia. Vielleicht muss sie aber auch noch ein Jahr bleiben. Wie es weitergehen soll, wenn sie endlich wieder draußen ist, weiß sie aber auf jeden Fall schon: „Arbeit, meine Tochter und die Familie – das ist alles, was ich brauche“, sagt sie.

Hohe graue Mauern, eine schwere rote Tür und Gitter vor den Fenstern: Das gehört gerade zum Leben von Pia dazu. Foto: Katharina Heimeier

Paulas Nachrichten