Paulas Nachrichten

Manches fällt schwer, manches leicht: Erik ist Autist

20.11.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Sie haben Probleme, etwa anderen Menschen in die Augen zu schauen. Oder zu erkennen, ob jemand glücklich ist oder wütend. Autisten nehmen ihre Umwelt anders wahr als andere Menschen. So ist das auch beim sechsjährigen Erik. Manche Dinge kann er aber auch enorm gut.

Erik sitzt an einem Tisch im Spielzimmer und malt ein riesiges Bild – voller Rohre, Schläuche und technischer Geräte. „Das ist ein Stromgenerator, der macht den Strom“, erklärt der Sechsjährige. Das Bild ist voller Einzelheiten. Erik interessiert sich total für Elektrizität. Er hat schon super viele solcher Bilder gemalt. Außerdem kann er so gut rechnen wie Kinder aus der dritten und vierten Klasse – obwohl Erik noch gar nicht in die Schule geht. Erik interessiert sich für manche Sachen sehr und in manchen ist er auffallend begabt. Das ist typisch für einen Jungen wie ihn: Er hat eine Erkrankung, die man Autismus nennt.

Als Erik noch nicht zwei Jahre alt war, hörte er auf einmal auf zu sprechen, berichtet seine Mutter. Vorher hatte er als erstes Wort „Atemschutzgerät“ gesagt. Ihm war fast alles zu laut und aufregend. Die Familie konnte nicht einkaufen gehen, weil Erik dann weinte und schrie. Sobald etwas ungewohnt war, zum Beispiel wenn der Nachbar den Rasen mähte, bekam Erik einen Wutanfall. Er schaute niemandem mehr in die Augen, auch seiner Mutter nicht. Außerdem mochte er nur noch knusprige Sachen essen. Seine Eltern gingen schließlich mit ihm zum Arzt. Der sagte ihnen, Erik habe eine Form von Autismus.

Aber was ist das eigentlich? Fachleute sagen, die Entwicklung ist stark gestört. Solche Kinder haben Schwierigkeiten mit anderen Menschen. Sie wiederholen oft die Worte, die jemand sagt – reagieren aber nicht auf Fragen oder Bitten. Es fällt ihnen häufig schwer zu verstehen, ob jemand sich freut oder verärgert ist.

Manche von ihnen – so wie Erik – können früh rechnen, lesen und schreiben oder sind besonders musikalisch. Dafür spielen sie selten mit anderen Kindern. Und wenn sie spielen, dann sortieren sie vielleicht immer nur Dinge nach Größe oder Farbe. Das kommt im Kindergarten und in der Schule vielleicht nicht immer gut an.

Eriks Eltern haben überlegt, wie sie Erik helfen können. Vor allem Eriks Mutter übte jeden Tag viele Stunden mit ihm: Gesichter nachmachen, zum Beispiel welche, die weinen oder lachen. Lernen, wie man tröstet. Sprechen üben, und, und, und.

Erik geht nun seit einigen Jahren in einen Kindergarten. Dort ist er das einzige Kind, das Autismus hat. Das viele Üben hat Erik wirklich geholfen. Mit seinen tiefblauen Augen strahlt er andere an. Auch wenn er manchmal wie in Gedanken wirkt, antwortet er auf Fragen. Er liebt Verstecken spielen, spielt viel mit anderen Kindern und war sogar einige Tage mit auf Kindergartenfahrt.

Seine Mutter freut sich, wenn er auch mal andere Bilder malt als solche mit Generatoren. Es ist aber auch klar, dass der Autismus nicht weggehen wird. Erik wird immer ein wenig anders bleiben. Was er später einmal werden will? Für Erik ist das gerade ganz klar: „Ich will Elektriker werden, denn die kennen sich mit Strom aus.“

Auf dem Foto sieht man Erik mit seiner Mutter Anabel Conargo spielen. Foto: Christiane Löll

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