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Lügen und Täuschen im Tierreich

26.05.2021 05:30, Von Louisa Grübler — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Forscher vermuten, dass Tieren die Fähigkeit zum Lügen fehlt

Menschen machen es fast jeden Tag: Sie lügen. Obwohl man es eigentlich gar nicht sollte. Jemand der lügt, kennt die Wahrheit und erzählt mit Absicht etwas Falsches. Können das auch Tiere?

Ein Eichelhäher schluckt in einem Garten in Hamburg eine Erdnuss. Eichelhäher geben Warnrufe ab. Damit sind auch andere Vögel vor Gefahr gewarnt. Foto: Georg Wendt/dpa
Ein Eichelhäher schluckt in einem Garten in Hamburg eine Erdnuss. Eichelhäher geben Warnrufe ab. Damit sind auch andere Vögel vor Gefahr gewarnt. Foto: Georg Wendt/dpa

LEIPZIG. Manche Vögel warnen Tiere, sobald Gefahr droht. In unseren Wäldern ist das zum Beispiel der Eichelhäher. Mit einem lauten „krschäääh“ warnt er alle Waldbewohner vor Feinden.

Auch in anderen Teilen der Erde gibt es solche Vögel. Zum Beispiel Trauerdrongos in Afrika. Erdmännchen reagieren auf den Warnruf des Vogels. Manchmal rufen die Trauerdrongos aber auch, obwohl es gar keine Gefahr gibt. Sondern vielmehr, wenn sie sehen, dass ein Erdmännchen gerade etwas Leckeres frisst!

Die Vögel wollen davon auch etwas haben. Also rufen sie einen falschen Warnruf aus. Das Erdmännchen ist alarmiert und versteckt sich in seinem Bau. Das Futter lässt es liegen. Nun können die Vögel ungestört an ihre ergaunerte Mahlzeit. Doch ist so ein falscher Warnruf eine Lüge?

„Was meint man genau mit Lügen?“, fragt Daniel Hanus. Er erforscht das Verhalten von Menschenaffen. Dazu gehören Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans. „Je nachdem, wie man den Begriff Lügen sieht, kommt man zu einer unterschiedlichen Antwort.“

Wir Menschen lügen aus verschiedenen Gründen. Daniel Hanus erklärt: „Wer lügt, kennt die Wahrheit, sagt aber mit Absicht etwas Falsches.“ Dabei glaubt man, dass die angelogene Person die Wahrheit nicht kennt. Wer lügt, muss nachdenken und bewusst entscheiden, was ein anderer wissen oder nicht wissen soll. Etwa, wenn sich ein Schulkind eine Lüge überlegt, warum es seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.

Tarnung gegen Fressfeinde

In der Natur kommt es aber häufig vor, dass Tiere andere Tiere täuschen. Zum Beispiel beim Wandelnden Blatt. Das ist ein Insekt, das aussieht wie ein grünes Blatt. Es tarnt sich, um von Fressfeinden nicht entdeckt zu werden. Als Lüge kann man diese Täuschung aber nicht bezeichnen. Schließlich entscheidet sich das Wandelnde Blatt ja nicht bewusst, seine Feinde zu belügen. Auch der Trauerdrongo belügt das Erdmännchen wohl nicht bewusst. Der Vogel hat einfach einen Trick gelernt, um leicht an Futter zu kommen.

Forscher wie Daniel Hanus vermuten, dass Tieren die Fähigkeit zum Lügen fehlt.

Der Forscher Volker Sommer aber geht davon aus: Manche Affenarten sind in der Lage, sich in die Gedanken von Artgenossen hineinzuversetzen. Und sie können auch lügen.

Leider kann man mit Tieren nicht sprechen und sie fragen: Was hast du dir gedacht, als du eine bestimmte Sache getan hast? Hast du gerade gelogen? Eine klare Antwort, ob Tiere lügen können, gibt es also bislang nicht.

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