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Locker bleiben – das lernen Polizeipferde auf einer Schule

20.06.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Pferde sind ängstlich. Doch wenn sie bei der Polizei arbeiten, brauchen sie Mut und Gelassenheit. Das müssen sie erst mal lernen.

Das weiße Polizeipferd Lines beim Training mit anderen Polizeipferden Foto: Julia Räsch
Das weiße Polizeipferd Lines beim Training mit anderen Polizeipferden Foto: Julia Räsch

Fahnen, die vor dem Kopf hin und her wehen. Lautes Gebrüll und Gejohle. Und viele Menschen, die unruhig sind. Normalen Pferden macht das Angst. „Pferde schützen sich, indem sie bei Gefahr schnell weglaufen“, sagt Hauptkommissar Roman Leyendecker.

Lines dagegen bleibt bei so etwas cool. Nicht mal eine Miene verzieht der Schimmel. Denn Lines ist ein Polizeipferd. Unter 20 Pferden ist er der einzige Schimmel bei der berittenen Polizei in Dortmund in Nordrhein-Westfalen.

„Er ist sehr verschmust“, sagt Petra Radek von der Reiterstaffel. Die Polizisten, die dort arbeiten, sitzen nicht zum Spaß im Sattel. Hoch zu Ross kommen sie an manchen Orten besser klar als mit Streifenwagen oder Motorrad. Wo viele Menschen an einem Fleck sind, sind Polizeipferde sehr häufig im Einsatz. Um sich an brüllende oder johlende Menschen und Rangeleien zu gewöhnen, gehen Polizeipferde in die Pferde-Schule. Dort üben sie viele Dinge, die sie später im Einsatz brauchen: Wie sie Hindernisse überwinden zum Beispiel. Vor allem lernen sie aber, gelassen zu bleiben – egal was um sie herum passiert. „Wir müssen langsam trainieren, dass sie sich an vermeintliche Gefahren gewöhnen und sich sicher fühlen“, sagt Roman Leyendecker. Die Trainer nehmen den Tieren nach und nach die Angst vor Geräuschen und Bewegungen.

Dafür klappen Polizisten zum Beispiel Regenschirme vor den Pferden auf und schwenken wehende Fahnen wie bei einer Fußball-EM. Säcke mit klappernden Töpfen werden über den Boden geschleift. Denn ein Pferd soll sich später nicht erschrecken, wenn etwa ein Fußgänger eine Getränke-Dose auf die Straße wirft. „Es findet das dann zwar nicht toll“, sagt Roman Leyendecker. Es läuft dann aber nicht weg.

Lines ist jetzt seit zwei Jahren dabei. Er hat schon schwierige Einsätze gemeistert. Wie das Gedrängel im Karneval zum Beispiel. In der Pferde-Schule war Lines ein Streber. Er war schon nach einem Jahr ein mutiges Polizeipferd. Manche andere Pferde besuchen drei Jahre lang die Schule. Wenn die Ausbildung vorbei ist, trifft man sich jede Woche einmal zum Üben. An diesem Morgen tun einige Freiwillige so, als ob sie eine Gruppe Chaoten seien. Die Polizeireiter und ihre Pferde greifen in das Geschehen ein – und drängen die Krawallmacher sanft, aber bestimmt ab. Lines bekommt zur Belohnung einen Leckerli und Streicheleinheiten von seiner Reiterin.

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