Paulas Nachrichten

Liana und Grischa: „Wir haben Angst, dass wir weg müssen“

19.03.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ob Liana in der Schule ist, Freunde trifft oder abends schlafen geht – eine Sorge geht ihr nicht aus dem Kopf: Dass Polizisten sie und ihre Familie in ein Flugzeug ins ferne Armenien setzen könnten. „Wir wissen nicht, ob wir in Deutschland bleiben dürfen“, sagt die 15-Jährige. „Dabei sind wir doch hier zu Hause“, findet ihr vier Jahre jüngerer Bruder Grischa. Die beiden stammen aus Armenien, einem Land in Asien. Sie leben aber mit ihrer Familie seit vielen Jahren als Flüchtlinge in Hamburg. Aber die Behörden haben noch nicht entschieden, ob sie bleiben dürfen.

Immer wieder muss Liana an den schrecklichen Tag vor rund einem Jahr denken. „Es war morgens gegen fünf Uhr. Wir haben alle geschlafen. Da klingelten Polizisten Sturm an der Tür“, erzählt sie. „Ungefähr sieben Leute sind reingekommen. Sie haben Papa Handschellen angelegt und gesagt, dass wir zwanzig Minuten Zeit haben, unsere Sachen zu packen und uns von unserer Mama zu verabschieden. Dann haben sie uns zum Flughafen gebracht.“

Die Behörde hatte damals beschlossen, Liana, Grischa und ihren Vater zurück nach Armenien zu schicken. In Tschechien gab es einen Zwischenstopp. „Da mussten wir zwölf Stunden warten und wurden in eine Gefängniszelle gesperrt. Alles war vergittert“, sagt Grischa. Er kann das nicht verstehen. „Wir sind doch eine ganz normale Familie. Wir sind doch keine Verbrecher.“ Ein halbes Jahr mussten die Kinder in Armenien bleiben.

Doch in Armenien werde ihre Familie von anderen Leuten bedroht, erklärt Liana. So haben es ihr die Eltern erklärt. Deshalb seien ihre Eltern ja kurz nach Lianas Geburt geflohen – erst nach Russland, dann nach Deutschland. „Als wir jetzt wieder in Armenien waren, haben wir uns nicht wohl gefühlt. Wir kennen die Regeln da nicht. Wir sprechen auch die Sprache nicht so gut“, sagt Liana. Zum Glück nahm die Behörde den Entschluss zurück. Liana und Grischa durften erst einmal zurück nach Deutschland. Aber ihr Vater musste in Armenien bleiben.

Und wie geht es jetzt weiter? Viele Freunde aus der Schule haben sich für Liana und Grischa eingesetzt. Sie wollen, dass die Familie bleiben darf. Aber das entscheidet nun noch einmal die Behörde. „Wir haben uns so angestrengt. Es wäre schlimm, wenn das alles umsonst war“, findet Grischa. Er spricht prima Deutsch und gibt sich in der Schule mächtig Mühe. „Wir hoffen, dass doch noch alles gut wird und wir alle zusammen hier leben können“, sagt Liana.

Liana und Grischa mit ihrer Mutter. Sie erzählen ihre Geschichte und erinnern sich an schöne Erlebnisse, als auch ihr Vater noch bei ihnen lebte. Foto: Silke Fokken

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