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„Lesen muss etwas Schönes sein“

19.11.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Sascha Rotermund gibt dem Lesebären SAMi seine Stimme. Im Interview erzählt er davon.

Sascha Rotermund ist nicht nur Schauspieler, er leiht seine deutsche Stimme unter anderem auch solchen Stars wie Benedict Cumberbatch („Dr. Strange“), Pedro Pascal („The Mandalorian“) und Omar Sy („Ziemlich beste Freunde“). Foto: Karim Khawatami
Sascha Rotermund ist nicht nur Schauspieler, er leiht seine deutsche Stimme unter anderem auch solchen Stars wie Benedict Cumberbatch („Dr. Strange“), Pedro Pascal („The Mandalorian“) und Omar Sy („Ziemlich beste Freunde“). Foto: Karim Khawatami

„Hallo, ich bin’s SAMi – dein Lesebär“, ertönt es freudig, sobald sich Kinder mit SAMi auf den Weg in die Welt der Bücher machen. Seine Stimme leiht ihm der Schauspieler Sascha Rotermund.

 

Hallo SAMi äh, Sascha Rotermund, wie geht’s?

Hallo miteinander! Danke, mir geht’s gut. Heute regnet es zwar, aber so ein Regentag ist ja die perfekte Ausrede, um es sich mit einem Buch gemütlich zu machen!

Lieben Sie auch Geschichten, wie SAMi?

Natürlich, darum habe ich meinen Beruf gewählt. Schauspielerei ist nichts anderes, als auf verschiedenste Arten Geschichten zu erzählen.

Was macht eine gute Geschichte aus?

Das Publikum muss in die Geschichte entführt werden, regelrecht abtauchen und ein Teil der Geschichte sein. Es soll nicht nur zuschauen, sondern teilnehmen können.

Wie unterscheiden sich Ihre Stimmen? Was haben Sie für SAMi in die Stimme gelegt?

SAMi ist ein junger, fröhlicher Bär, der eine positive, einladende Natur hat. Schon bei dieser Beschreibung entsteht in meinem Gesicht das erste Lächeln, in meinem Gemüt eine Zufriedenheit, eine Offenheit und eine kindliche Neugier und Abenteuerlust. Von hier aus entsteht dann beim Spielen immer weiter die Figur SAMi.

Was hat sie dazu bewogen, SAMi Ihre Stimme zu geben?

Ich selbst bin ein leidenschaftlicher Leser, verstehe aber auch jedes Kind, das gerne fernsieht oder mal ein Computerspiel spielt. Ich will das auch gar nicht verteufeln, aber es geht auch hier um die Balance. Eine Geschichte lesend oder hörend zu erleben, erfordert Muße und die leisten wir alle uns heute viel zu selten. Daher bin ich gerne dabei, wenn es darum geht, das Publikum zur Muße zu verführen.

Was ist das Besondere, dem Lesebären SAMi Ihre Stimme zu geben?

SAMi ist für das junge Publikum eine Identifikationsfigur, das bedeutet, ich muss die Kinder einladen, ihr Freund sein. Ich muss also Vertrauen aufbauen, und das ist eine filigrane Sache. Dabei gilt es, die richtige Balance zu finden, damit diese Sympathie glaubwürdig wird.

Worauf kommt es an, wenn man Kinder anspricht?

Kinder wollen ernst genommen werden. In jedem Alter. Man darf nicht glauben, Kinder zu unterhalten sei einfach. Sie sind unmittelbar und direkt in ihrem Urteil, das sich dadurch äußert, ob sie dabei bleiben oder nicht.

Welche Rolle spielt für Sie Vorlesen in Hinblick auf späteres selbstständiges Lesen?

Im besten Fall schafft man es zu vermitteln, dass sich hinter den so nüchtern gedruckten Buchstaben wunderbare Welten und endlose Horizonte verbergen können. Lesen muss etwas Schönes sein! Dann vermitteln sich vielleicht auch die Vorzüge des Selber-Lesens.

Wie kamen Sie zum Lesen?

Meine Mutter und meine große Schwester haben immer schon viel gelesen. Sie können das in einer Geschwindigkeit, die ich immer schon beneidet habe. Dieses Talent ist mir nicht gegeben, ich brauche Zeit und Muße. Aber durch sie und auch durch viele Freunde waren immer Bücher und vor allem lesende Menschen um mich herum. Es gab damals weder Internet noch Streaming-Dienste. In Buchform hatte ich all diese wunderbaren Geschichten bei mir in meinem Kinderzimmer.

Sie lesen beruflich viel – auch privat? Oder hören Sie lieber zu?

Durch den tagtäglichen Umgang mit Sprache und mit Texten lese ich heute im Alltag in der Tat sehr wenig, erst im Urlaub gönne ich mir die Muße. Gute Hörbücher sind aber natürlich auch etwas Tolles und zum Beispiel während einer Autofahrt eine gute Alternative zum Buch. Hier achte ich vor allem auf den Inhalt, aber natürlich auch sehr stark darauf, wer zu hören ist.

Welche Eigenschaften sind für Sie für eine Vorlesestimme besonders wichtig?

Ich glaube nicht, dass es immer die warme „Märchenonkel- oder Märchentanten-Stimme“ sein muss, die einen möglichst tief und beruhigend in den Schlaf begleitet, wenngleich das natürlich sehr schön sein kann! Ich finde, der oder die Vorlesende sollte klanglich gut zur Geschichte und vielleicht der Hauptfigur passen und vor allem lebendig und mit Freude erzählen. Dann kann zum Beispiel die Seeräuber-Geschichte von einer älteren, regelrecht knarzenden Stimme, die Pferde-Geschichte von der starken Stimme eines jungen Mädchens oder die lustige Familiengeschichte von einer ganz normalen Männer- oder Frauenstimme erzählt werden. Es kommt immer nur darauf an, dass die Geschichte zum Leben erweckt wird.

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