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Lauter Märchen im Kopf Hans-Jörg Uther erforscht zauberhafte Geschichten und arbeitet an einem 15-bändigen Lexikon mit

12.07.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(dpa) Forscher untersuchen ganz verschiedene Dinge: zum Beispiel Schnecken, das Klima oder Zahlen. Hans-Jörg Uther erforscht Märchen. Er ist Professor in Göttingen und arbeitet an einem Märchenlexikon mit. Aber wie wird man Märchenforscher?

Hans-Jörg Uther mit einem Froschkönig Fotos: privat/dpa
Hans-Jörg Uther mit einem Froschkönig Fotos: privat/dpa

„Eigentlich wollte ich Lehrer für Deutsch und Geschichte werden“, sagt Hans-Jörg Uther, der sich schon im Studium viel mit Märchen beschäftigt hat. „Damals habe ich angefangen, bei einem großen Forschungsprojekt mitzuarbeiten. Es heißt ,Enzyklopädie des Märchens‘ und ist ein Lexikon.“ Damals war vor 40 Jahren. In zwei Jahren soll das Lexikon in 15 Bänden fertig sein.

In den dort abgedruckten Beiträgen soll es unter anderem darum gehen, wie ein Märchen in verschiedenen Ländern erzählt wird. Welche Unterschiede es von Land zu Land gibt und warum. Die Fachleute untersuchen auch, wie sich eine Geschichte im Laufe der Zeit verändert hat. Oder sie schauen, welche Dinge in den Märchen immer wieder vorkommen und was das zu bedeuten hat. Das kann zum Beispiel ein Brunnen sein. Der sei in Märchen oft ein Tor zu einer anderen Welt.

Die meisten Märchen, so wie wir sie kennen, entstanden vor rund 300 Jahren. Aber auch in unserer Zeit entstehen Märchen. Dazu zählen zum Beispiel „Harry Potter“ oder „Der Herr der Ringe“. Auch hier kommen Märchenfiguren vor, etwa Zauberer, Riesen oder Zwerge. „Man spricht dann auch von märchenhafter Literatur“, sagt der Fachmann.

Denn es gibt einen Unterschied: Die alten Märchen sind oft kurze Geschichten, vollgepackt mit Handlung. Die modernen Märchen sind eher dicke Wälzer und bestehen oft aus mehreren Bänden.

Hat ein Märchenforscher auch Lieblingsmärchen? Hans-Jörg Uther schon. Er nennt „Der gestiefelte Kater“ und „Hans im Glück“. „Mir gefällt an den beiden Märchen, dass sie nicht nur ernst sind, sondern auch humorvolle Züge haben.“

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