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Korallen sind wie Baumeister eines Hochhauses

12.04.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

BERLIN (dpa). Marco Spieler kennt sich mit Riffen aus. Er ist Biologe und schon vor Australien und im Roten Meer zu Korallenriffen hinabgetaucht. Er arbeitet im Berliner Naturkundemuseum. Den dpa-Nachrichten für Kinder hat er erklärt, warum Riffe so wichtig sind.

Wie entsteht ein Korallenriff?

Marko Spieler: Korallen sind kleine Tiere. In tropischen Gewässern können sie sich auf ein Wrack setzen oder auch auf einen Felsen. Dieser Unterbau dient ihnen dann als Basis, und von dort aus beginnen die Korallen zu wachsen. Sie sind wie die Baumeister eines Hochhauses. Sie setzen oben immer noch ein Stockwerk drauf. Die unteren Stockwerke werden nach und nach zu Kalk. Bis sich aber ein richtig großes Riff gebildet hat, können mehrere tausend Jahre vergehen.

Wie groß werden Riffe denn?

Marko Spieler: Riffe können meterhoch werden, nur die Wasseroberfläche bildet eine natürliche Grenze. Haben sich Korallen einmal festgesetzt, haben sie nur zwei Möglichkeiten: wachsen oder absterben. Eine Koralle kann aber ihre Nachkommen wegschwimmen lassen, damit sie woanders wieder anwachsen und ein neues Riff entsteht.

Warum sind Riffe oft so schön bunt?

Marko Spieler: Es gibt ungefähr 3800 Korallenarten. Sie können sehr unterschiedliche Formen haben, manche sehen aus wie ein Hirsch- oder Elchgeweih, andere wie Blumensträuße. Ihre wunderschönen bunten Farben bekommen sie durch die Algen, mit denen sie verwachsen sind. Auf einem Riff gibt es auch Schwämme, Schnecken, Muscheln, Krabben oder Krebse.

Welche Tiere leben sonst so am Riff?

Marko Spieler: Zu den großen Tieren, die gern hier leben, gehören Rochen, Delfine, Seekühe und natürlich Haie. Sie sind so eine Art Förster im Ökosystem Riff und räumen alles weg, was dort nicht hingehört. Riffe sind die Brutstätten vieler Fische, im Grunde ist das ein riesiger Fisch-Kindergarten. Jungtiere können sich dort vor ihren vielen Feinden gut verstecken. Viele Fische haben sehr bunte Tarnfarben. Man kann sie kaum erkennen, wenn sie sich nicht bewegen.

Was ist beim Tauchen an einem Riff toll?

Marko Spieler: Mich fasziniert diese Vielfältigkeit der Natur unter Wasser. Man braucht wirklich Zeit zum Hingucken, weil die Tiere so gut getarnt sind. Ich hänge mich als Taucher gern eine halbe Stunde vor die gleiche Stelle. Auf den ersten Blick sehe ich dann vier Tiere, nach einer halben Stunde sind es schon 30 und in Wirklichkeit sind es sicher hunderte. Dieses Versteckte hat für mich einen ganz besonderen Reiz. Es ist unglaublich, wie viel Leben sich auf nur einem Quadratmeter tummeln kann.

Ein Taucher an einem Riff auf den Malediven mit Papageienfischen (links) und blau-gelben Doktorfischen. An Korallenriffen gibt es viel zu sehen. Dort leben unzählige Fische, Krebse, Schnecken und anderes Getier. Foto: Wolfgang Thieme

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