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Kommt ein Heuler geflogen

18.03.2021 05:30, Von Claudia Irle-Utsch — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Manchmal darf einer der kleinen Seehunde mit ins Flugzeug zu einer Reise über das Wattenmeer

Hin und her geht es für die „Inselflieger“ an der ostfriesischen Nordseeküste, vom Festland zur Insel und wieder zurück. Auf dem Weg übers Wattenmeer haben sie manchmal auch gestrandete Seehundbabys an Bord.

Die Britten-Norman Islander. Die Maschine hält Wind und Wetter gut aus. Die Britten-Norman Islander ist ein robustes Flugzeug.  Foto: Privat
Die Britten-Norman Islander. Die Maschine hält Wind und Wetter gut aus. Die Britten-Norman Islander ist ein robustes Flugzeug. Foto: Privat

Ein Sprung übers Watt, mehr ist es nicht. Auch wenn die Flugzeit kaum fünf Minuten beträgt, ist jeder Flug vom Festland zur Insel und wieder zurück ein Abenteuer. Das Klima an der deutschen Nordseeküste ist rau. Der Wind weht oft heftig. Manchmal zieht sogar plötzlich Nebel auf.

Hans-Jürgen Baldeus fliegt am liebsten bei Niedrigwasser mit den „Inselfliegern“. Bei guter Sicht kann man dann Seehunde auf einer Sandbank sehen.

„Inselflieger“ ist der Name einer ostfriesischen Fluggesellschaft. Hans-Jürgen Baldeus ist einer der Chefs. Er sorgt dafür, dass bei den Flügen zwischen der Küste und den Inseln Juist, Norderney und Wangerooge alles klappt. Er will, dass die Fluggäste zufrieden sind.

Meist sind es Urlauber, die schnell am Ferienort ankommen möchten und dafür den Flieger nutzen. Die Fährschiffe können nur fahren, wenn die Flut kommt. Dann ist genügend Wasser in der Fahrrinne. Die Abflugzeiten aber stehen in der Regel fest.

Die Flugzeit beträgt nur wenige Minuten

Zwischen Start und Landung vergehen nur wenige Minuten. Rund 30 000 Mal im Jahr heben die kleinen Maschinen ab und kommen auf der Piste wieder auf. Die Piloten und Pilotinnen der „Inselflieger“ hätten ihr Hobby zum Beruf gemacht, sagt Hans-Jürgen Baldeus. „Viele kommen aus der großen Fliegerei, für andere ist es eine Art Sprungbrett.“

In jedem Fall haben sie direkten Kontakt zu ihren Fluggästen.

Das gilt auch für die tierischen Mitflieger, die es immer wieder gibt.

Im Sommer sind es Heuler und im Winter Kegelrobben-Junge, die mutterlos auf einer der Inseln gestrandet sind. Sie müssen schnell zur Seehund-Aufzuchtstation gebracht werden.

Sicher in einer Plastikbox untergebracht, sind die Tiere sehr unauffällige Gäste. „Nur manchmal riecht’s ein bisschen unangenehm“, sagt Hans-Jürgen Baldeus.

Die Jungtiere brauchen rasch Hilfe. Sie seien hungrig und ausgetrocknet, erklärt Peter Lienau. Er leitet die Seehundstation Norddeich. Dort wird den Tieren dann Flüssigkeit zugeführt, damit sie sich rasch erholen.

Die Ziele der „Inselflieger“ sind vor allem die Inseln Juist, Norderney, Wangerooge und die Hochseeinsel Helgoland. Andere Flugunternehmen fliegen auch andere Strecken. Zum Beispiel geht es mit Baltrum Flug zur kleinen Insel Baltrum oder mit dem Ostfriesischen Flug-Dienst zur großen Insel Borkum.

Im Notfall allerdings arbeiten alle miteinander. Wenn wie in diesem Winter die Fahrrinne zufriert und keine Fährschiffe fahren können, gilt der Eisnotdienst. Dann müssen etwa Lebensmittel vom Festland auf die Inseln geflogen werden.

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