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Kinder sind beim Memory schwer zu schlagen

16.12.2017, Von Franziska Bothe — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gründliches Anschauen hilft auch bei Gedächtnis-Spielen

Löwe und Löwe: Beim Spiel Memory muss man gut aufpassen, um gleiche Karten zu finden. Ein Trick des Gehirns macht aus Kindern oft die besseren Spieler.

Warum sind Kinder oft besser beim Memory-Spiel als Erwachsene? Grafik: S. Stein

HEILBRONN. Wo ist die zweite Giraffe? Es gibt nicht mehr viele Möglichkeiten: Die meisten Memory-Karten auf dem Tisch sind schon aufgedeckt. Zack! Da ist die zweite Giraffe. Nun noch die restlichen Paare zu finden ist einfach. Wieder gewonnen!

Wenn Kinder und Erwachsene Memory miteinander spielen, ist das Kind gar nicht so selten der Sieger. Das hast du vermutlich auch schon ein paar Mal erlebt. Aber warum ist das so?

Die Wissenschaftlerin Susanne Wilpers hat sich diese Frage auch gestellt. „Gegen meine Geschwister habe ich als Kind immer gewonnen“, sagt sie. Doch als sie einige Jahre später als Erwachsene gegen ihre eigenen Kinder spielte, verlor sie oft. Das machte Susanne Wilpers neugierig. Sie forschte nach, warum das so ist.

„Das Gehirn von Kindern funktioniert ein bisschen anders als das von Erwachsenen“, sagt sie. Kinder haben in ihrem Gehirn eine viel größere Zahl von Verbindungen, über die Informationen transportiert werden. Anschließend werden sie verarbeitet. Fachleute haben für diese Verknüpfungen einen Begriff: Synapsen.

Ab zehn Jahren entwickelt sich das Gehirn anders

Im Alter ab etwa zehn Jahren werden die Synapsen aber wieder weniger. Das Gehirn entwickelt sich dafür an anderen Stellen. So haben Erwachsene deutlich weniger Synapsen. Dafür sind sie aber besser ausgebaut. Man kann sich das wie einer Autobahn vorstellen: Auf der kommt man schnell und ohne Umwege an sein Ziel. Daher denken Erwachsene einfacher und oft schneller als Kinder.

Doch wer auf der Autobahn aus dem Fenster schaut, bemerkt auch: Es ist schwer, bei hohem Tempo Besonderheiten zu entdecken. Erwachsenen entgeht deshalb schnell mal ein Detail.

Kinder beobachten genauer und sehen mehr Details

Fährt man hingegen langsam durch die Gegend, nimmt man mehr wahr. „Kinder achten noch viel mehr auf Einzelheiten, wenn sie sich etwas anschauen“, sagt Susanne Wilpers. Während Erwachsene zum Beispiel erst einmal nur eine Katze sehen, gucken Kinder genauer hin. Sie bemerken dann den lustigen Fleck im Fell und die zusammengekniffenen Augen des Tieres.

Dieses gründliche Anschauen hilft Kindern auch bei Gedächtnis-Spielen wie Memory. Sie merken sich dadurch besser, unter welcher Karte welches Bild verdeckt ist. Übrigens: Besonders gut beim Finden von Pärchen sind Grundschüler.

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