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Kinder in Namibia – Glücklich ist, wer einen Fußball hat

18.05.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Der Ball springt auf den Boden und wirbelt Staub auf. Dann fliegt er zwischen den Pfosten durch. „Tooor“, jubelt Thomas. Der 12-Jährige kickt mit seinen Freunden auf einem Sandplatz.

Wie es steht, weiß keiner so genau. Aber sobald die Kugel wieder im Spiel ist, rennen alle hinterher. Sie sind etwa zwanzig. Ein paar Mädchen sind auch dabei.

Thomas, seine Freunde Belden und Wilfried und die anderen leben in der kleinen Stadt Tsumeb in Namibia. Das liegt im Südwesten Afrikas. Fußball wird dort auch nicht anders gespielt als zum Beispiel bei uns. Natürlich mussten auch Thomas und seine Freunde irgendwann ein bisschen die Regeln lernen. „Mein großer Bruder hat mir gezeigt, wie das Spiel geht“, erzählt Thomas. Trotzdem ist in Tsumeb vieles anders als bei uns: Es ist vor allem tierisch heiß. Doch die Jugendlichen laufen über das Feld, als wäre ihnen das egal. Sie treffen sich fast jeden Tag nach der Schule, um zu spielen. Nicht alle haben Turnschuhe. Dann spielen sie halt barfuß, obwohl auf ihrem Platz auch mal Steine oder sogar Glasscherben liegen.

In einem Fußballverein ist keiner von ihnen. „Aber vielleicht gehe ich mal hin“, sagt Thomas. In Namibia gibt es nicht so viele Vereine wie in Deutschland. Es gibt auch nur wenige gute Trainer und nur wenige Ligen für Jugendmannschaften. Belden ist 16 Jahre alt und der gefragteste Mitspieler. Nicht weil er so ein guter Dribbler ist. Sondern weil er einen Ball und sogar eine Pumpe hat. „Die habe ich von meinem Vater geschenkt bekommen“, sagt er. Weil viele Familien in Namibia arm sind, können nur wenige Eltern ihren Kindern so ein Geschenk machen.

Als die Gruppe von Belden noch keinen richtigen Ball hatte, spielte sie mit einer Dose oder einem laschen Plastikball. „Aber das hat nicht so viel Spaß gemacht“, sagt Belden.

Nach zwei Stunden hören sie auf. Belden muss nach Hause, „sonst schimpft meine Mutter, wenn ich zu spät zum Essen komme“. Das ist in Namibia auch nicht anders als manchmal in Deutschland.

Namibischer Junge drückt Elfenbeinküste die Daumen

Die Jugendlichen in Namibia schauen sich auch Fußball im Fernsehen an. Am liebsten gucken sie die englische Liga. „Ich bin Fan vom FC Chelsea und Didier Drogba“, erzählt Thomas. Chelsea ist der Club in England, für den auch Michael Ballack spielt. Drogba ist einer seiner Teamkollegen. Der Stürmer kommt aus dem afrikanischen Land Elfenbeinküste. Er ist ein großer Star, denn er schießt viele Tore.

„Ihm drücke ich auch bei der Weltmeisterschaft die Daumen“, sagt Thomas. Namibia hat sich nicht für die WM qualifiziert. Trotzdem will sich Thomas möglichst viele Spiele des Turniers im Fernsehen anschauen.

Thomas (ganz links im Bild) und seine Kumpels aus der Kleinstadt Tsumeb in Namibia kicken oft zusammen auf dem Bolzplatz. Foto: Felix Hoffmann

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