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Je kälter, desto größer

08.07.2020 05:30, Von Philipp Brandstädter — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Größere Tiere verlieren im Verhältnis weniger Wärme als kleinere Tiere

Wenn Tiere in kalten Gebieten leben, sind sie oft größer als ihre Verwandten in wärmeren Gegenden. Das hat ein deutscher Forscher schon vor langer Zeit festgestellt. Sogar eine eigene Regel gibt es dazu.

Eisbärin Hertha mit ihrer Mama im Tierpark Berlin. Eisbären am Nordpol sind größer als zum Beispiel Braunbären in wärmeren Gegenden.  Foto: Philipp Brandstädter
Eisbärin Hertha mit ihrer Mama im Tierpark Berlin. Eisbären am Nordpol sind größer als zum Beispiel Braunbären in wärmeren Gegenden. Foto: Philipp Brandstädter

BERLIN. Im Wasser und an Land, in Tälern und auf Bergen, in warmen und in kalten Gebieten: Tiere leben fast überall auf der Welt. Je nach Lebensraum haben sich die Lebewesen angepasst. Und so kennen wir die Vielfalt der Tierwelt in allen Farben, Formen und Größen.

Auch Tiere, die miteinander verwandt sind, können unterschiedlich aussehen. So ist zum Beispiel der Eisbär größer als andere Bären, der Sibirische Tiger größer als der Sumatra-Tiger und der Kaiserpinguin größer als der Brillenpinguin. Dabei fällt auf: In der Kälte sind die Tiere oft größer als in wärmeren Gebieten.

Beobachtung des Biologen Carl Bergmann

Zuerst beobachtet hat das der deutsche Biologe Carl Bergmann. Schon im Jahr 1847 sagte er: Gleichwarme Tierarten – Vögel und Säugetiere – in kalten Gebieten sind allgemein größer als ihre Verwandten in warmen Gegenden. Diese Feststellung kennt man auch als die Bergmannsche Regel. Gleichwarm werden Tiere genannt, die ihre Körpertemperatur auf einen bestimmten Wert regulieren können. Menschen und Hunde können das zum Beispiel. Frösche und Insekten aber nicht.

Gleichwarme Tiere produzieren Wärme

Warum die Tiere in der Kälte größer sind, weiß Maren Siebert vom Tierpark Berlin: „Gleichwarme Tiere wie die meisten Säugetiere und Vögel produzieren Wärme. Je größer das Tier ist, desto mehr Wärme entsteht.“

Das klingt logisch, aber das Ganze ist noch ein bisschen komplizierter: Ein Teil der Wärme wird nach außen abgegeben. Das passiert über die Oberfläche, also die Haut der Tiere. Und größere Körper haben im Verhältnis zu ihrem Ausmaß eine kleinere Oberfläche.

Um das zu verstehen, kannst du zum Beispiel an Geschenke denken. Ein großes Paket braucht weniger Geschenkpapier als zwei kleine Pakete, die zusammen so groß sind wie das große.

Ein größeres Tier verliert im Verhältnis weniger Wärme als ein kleineres. Das ist praktisch für die Tiere in der Kälte, die sich warmhalten müssen.

Tiere, die mit Hitze klarkommen müssen, sind dagegen oft kleiner. Sie produzieren weniger Wärme und können vergleichsweise viel Wärme über ihre Oberfläche abgeben. So überhitzen sie nicht so schnell. „Somit ist der Kaiserpinguin, der in der Antarktis lebt, größer als der Brillenpinguin an der Küste von Afrika“, erklärt Maren Siebert. Die Bergmannsche Regel ist nicht immer und überall gültig. Neben der Temperatur beeinflussen noch viel mehr Eigenschaften der Umwelt das Aussehen von Tieren. Die Bergmannsche Regel ist eben nur eine Regel und kein Gesetz.

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