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Im Tonstudio mit Oliver Scherz

22.05.2020 05:30, Von Antje Ehmann — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Zu Hause wird jeder Satz in Ruhe einzeln durchgearbeitet – im Studio bleiben nur etwa vier Stunden zum Vorlesen

Oliver Scherz schreibt nicht nur Bücher, er spricht sie auch als Hörbuch ein. Früher tat er das in Unterhose zu Hause, heute geht er dafür in ein Tonstudio.

Oliver Scherz ist nicht nur Autor, sondern auch Schauspieler. Deshalb kann er seine Hörbücher selbst einsprechen.  Foto: Angela Meyer/Oliver Scherz
Oliver Scherz ist nicht nur Autor, sondern auch Schauspieler. Deshalb kann er seine Hörbücher selbst einsprechen. Foto: Angela Meyer/Oliver Scherz

Das Kinderbuch „Ein Freund wie kein anderer“ ist ein Bestseller. Das bedeutet, besonders viele Menschen haben dieses Buch gekauft. Geschrieben hat es Oliver Scherz. In der Geschichte geht es um die Freundschaft zwischen dem Wolf Yaruk und dem Erdhörnchen Habbi. Seit ein paar Monaten gibt es einen zweiten Teil: „Ein Freund wie kein anderer – Im Tal der Wölfe“. Oliver Scherz ist nicht nur Autor, sondern auch Schauspieler. Deshalb kann er seine Hörbücher selbst einsprechen. Wie das geht, hat er uns erzählt.

An solchen Mikros werden Hörbücher eingesprochen.  Foto: picture alliance / dpa
An solchen Mikros werden Hörbücher eingesprochen. Foto: picture alliance / dpa

Was mögen Sie an Ihrem Beruf als Schauspieler?

Ich mag das, was ich auch jetzt beim Schreiben besonders gern mag: mich in Figuren einzufühlen und ihre Geschichte zu erzählen. Die Magie der Bühne hat mich auch fasziniert. Es gab einige sehr bewegende Momente, wenn es zwischen den Schauspielern und dem Publikum wirklich gefunkt hat.

Hätten Sie als Kind gedacht, dass Sie als Erwachsener im Tonstudio stehen?

Hörbücher einsprechen? Nee. Aber ich habe schon immer gerne zugehört. Vor allem ‘Die drei ???’. Ich habe Geschichten lieber beim Zuhören in mich aufgenommen als beim Selberlesen. Auch deshalb finde ich es gut, dass meine Geschichten für Kinder, die nicht so gerne lesen wollen, trotzdem lebendig werden können. Das Schöne an Hörbüchern ist ja, dass sie es den Kindern überlassen, die ganze Handlung in ihrer Fantasie vor sich zu sehen.

Wie bereiten Sie sich auf die Lesung im Tonstudio vor und sind Sie dann aufgeregt?

Pro CD bleiben mir nur ungefähr vier Stunden vor dem Mikrofon. Das ist gar nicht so viel Zeit. Ohne genaue Vorbereitung wäre ich da aufgeschmissen. Ich setze mich eine Woche vorher an den Text und arbeite jeden einzelnen Satz durch. Das gibt mir im Studio die Sicherheit, nicht aus Versehen über wichtige Augenblicke hinwegzulesen. Aufgeregt bin ich nur ganz am Anfang. Aber das ist auch hilfreich. Das führt dann zu der entspannten Wachsamkeit, aus der heraus ich vier Stunden lang den Text lesen kann.

Wie kann man sich die Aufnahme im Tonstudio vorstellen?

„Eigentlich sehr konzentriert. Man sitzt in einem stillen Raum, nur das Mikrofon und den Text vor sich. Dabei kann ich voll in die Stimmung der Geschichte eintauchen und mich auf die Regie verlassen. Das mag ich sehr gerne. Bei den Aufnahmen zum zweiten Band hatte ich aber so starken Husten, dass ich ungefähr bei jedem dritten Satz unterbrechen musste. Das hat der Tonmeister aber zum Glück so super geschnitten, dass man bei den Aufnahmen nichts davon merkt.

Wie ist es, sich das fertige Hörbuch anzuhören?

Als ich das fertige Hörbuch zu ‘Ein Freund wie kein anderer – im Tal der Wölfe’ gehört habe, habe ich mich vor allem darüber gefreut, dass ich meiner Stimme vertrauen konnte, ohne jedes Grummeln im Bauch. Ich habe ja erst vier Hörbücher eingelesen und jedes Mal mehr gelernt.

Bei ‘Keiner hält Don Carlo auf’ habe ich im Hochsommer schwitzend in Unterhose in meiner Aufnahmekabine bei mir zu Hause gestanden und alles selbst in die Hand genommen: Regie, Technik, Sprechen. Das wollte ich unbedingt so ausprobieren, werde ich aber sicher nicht so wiederholen.

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