Schwerpunkte

Paulas Nachrichten

Im Alltag ist die Gefahr größer als im Labor

19.12.2020 05:30, Von Ronny Thorau — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ein Interview mit einer Virologin über ihre Arbeit im Labor

Ihr Beruf ist in diesem Jahr ein großes Thema: Sandra Ciesek ist Virologin. Sie kennt sich also super etwa mit dem Coronavirus aus. Wir haben sie gefragt, ob sie Angst hat, sich anzustecken.

Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt  Foto: Andreas Arnold
Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Andreas Arnold

Wie verbreiten sich Viren? Wie wird man sie wieder los?

Solche Fragen haben sich fast alle Menschen in diesem Corona-Jahr gestellt. Sandra Ciesek kann sie beantworten. Sie ist eine der bekanntesten Virologinnen in Deutschland.

Frau Ciesek, was interessiert Sie an Viren, die kann man ja nicht mal sehen?

Genau das finde ich eigentlich spannend, dass man sie mit bloßem Auge nicht sehen kann und dass sie trotzdem ganz unterschiedliche Krankheiten auslösen können: von Durchfall über Schnupfen bis zu Husten oder auch im schlimmsten Fall sogar Krebs. Außerdem kann man Viren schon sehen, man braucht nur ein spezielles Mikroskop dafür.

Sie arbeiten ständig mit Viren: Haben Sie nicht Angst, sich dabei anzustecken?

Also Angst ist vielleicht der falsche Begriff, weil ich ja weiß, wie man sich schützen kann. Ich habe Respekt. Man darf nicht leichtsinnig sein. Es gibt auch Viren, die sind ganz harmlos. Die machen nicht wirklich krank. Es gibt aber auch Viren, die sind sehr gefährlich, zum Beispiel das Ebola-Virus. Die Angst kann man am besten loswerden, indem man viel über das Virus lernt, wie es zum Beispiel von einem Menschen auf den anderen übertragen wird, wie man einen Menschen am besten behandeln kann.

Warum werden Kinder durch das Coronavirus nur selten schwer krank?

Genau wissen wir es nicht. Eine Überlegung ist: Ein Virus braucht immer eine Zelle von uns Menschen, um sich zu vermehren. Um in die Körperzellen zu gelangen, braucht es eine ganz bestimmte Struktur auf dieser Zelle, um anzudocken. Diese Struktur haben Kinder anscheinend weniger als Erwachsene.

Welche Gründe gibt es noch?

Ein anderer Grund ist, dass Kinder einfach ein ganz tolles Immunsystem haben, also eine tolle Körper-Polizei. Die führt dazu, dass sie das Virus schneller stoppen können als Erwachsene oder insbesondere alte Menschen.

Paulas Nachrichten