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Ich sehe was, was du nicht siehst

13.06.2020 05:30, Von Philipp Brandstädter — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Vielen Tieren hilft die Tarnung beim täglichen Überlebenskampf

Fressen und gefressen werden. Im Tierreich geht es ständig um Leben und Tod. Die einen Tiere fressen andere Tiere. Die anderen wollen dem entgehen. Dabei haben sich bestimmte Tricks besonders bewährt. Zum Beispiel die Tarnung.

 

Sumatra-Tiger und Zebras tarnen sich mit Streifen. Fotos: Brandstetter
Sumatra-Tiger und Zebras tarnen sich mit Streifen. Fotos: Brandstetter

Manche Tiere sind besonders groß, schnell oder stark. Manche können mit Klauen und Zähnen angreifen, andere setzen sich mit Stacheln zur Wehr. Und wieder andere Tiere überleben, weil sie sich gut tarnen. Tarnung bedeutet, dass ein Tier schwer zu erkennen ist, weil es zum Beispiel durch seine Farbe oder seine Form mit der Umgebung eins wird. Viele Tierarten nutzen diesen Trick. Die einen bleiben zum Beispiel unentdeckt, um besser Beute jagen zu können. Die anderen, um von ihren Jägern nicht bemerkt zu werden.

So haben etwa die Frischlinge von Wildschweinen oder die Kitze der Rehe besonders gemusterte Felle. Damit sind die Jungtiere im Wald oder im Feld schwer zu erkennen. Sie können sich gegen Raubtiere kaum wehren und müssen so unsichtbar wie möglich bleiben.

Das Zebra sieht mit seinen schwarzen Streifen sogar ziemlich auffällig aus. Aber lästige Blutsauger haben wohl Schwierigkeiten mit den Zebrastreifen. Denn Bremsen, die Zebras und andere Tiere stechen, werden von dem Schwarz-Weiß-Muster der Streifen irritiert. So schützen sich die Huftiere also nicht vor Fressfeinden, sondern vor Insekten. In manchen Gegenden schützen deshalb etliche Viehhalter ihre Pferde und Esel vor den lästigen Insekten. Sie legen ihren Tieren Decken im Zebramuster auf den Rücken.

Aber auch Raubkatzen wie Tiger oder Leoparden haben ihre Streifen- oder Fleckenmuster wohl zur Tarnung. Wenn sie regungslos lauern, sind sie schlechter in ihrer Umgebung auszumachen. „Besonders gut angepasst an ihre Umgebung sind der Polarfuchs und der Schneehase“, sagt der Experte Nicolas Brüning: „Beide Tiere wechseln ihre Fellfarbe je nach Jahreszeit.“ Im Sommer sind sie rotbraun beziehungsweise graubraun. Damit sind sie in der morastigen Steppenlandschaft im hohen Norden am Rande des Eismeers gut getarnt. Im Winter ist ihr Fell weiß.

Doch bei einer tollen Tarnung geht es nicht immer nur um die Farbe des Fells. Auch ihre Körperform verschafft manchen Tieren Vorteile. Das Seepferdchen zum Beispiel ist hervorragend im Seegras getarnt. Schlank und aufrecht schwebt der ungewöhnliche Fisch meist nahezu unsichtbar durch die Wasserpflanzen. „Auch Krokodile haben sich an ihre Umgebung angepasst“, erklärt Nicolas Brüning. Liegen sie am Flussufer, kann man die großen Reptilien zwar noch gut sehen. „Jedoch nicht, wenn sie knapp unter der Oberfläche des Wassers treiben“, sagt der Fachmann. Dann ragen nur Augen und Nase der Tiere unbemerkt aus dem Wasser heraus. Denn diese sind auf ihrem Kopf nach oben gewölbt.

Manche Tiere nutzen die Umgebung, um sich besser einzufügen. Zum Beispiel sucht der Einsiedlerkrebs nach einem passenden Schneckenhaus. Darin verkriecht er sich und trägt es mit sich herum. So bleibt er geschützt, wenn Raubvögel ihn entdecken.

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