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„Ich bin ein Gartenpolizist!“

28.10.2020 05:30, Von Marion Klötzer — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Der Maulwurf wurde zum „Wildtier des Jahres 2020“ ernannt – Wie wäre ein Interview mit ihm?

Seine Hügel sieht man häufig, ihn selbst aber so gut wie nie. Hier erzählt ein Maulwurf über sein Leben unter der Erde. Fachleute haben ihn zum „Wildtier des Jahres 2020“ ernannt.

Auf diesem Fußballplatz ist das Kicken gerade schwierig. Überall sind kleine, frische Erdhügel. Wer könnte dafür verantwortlich sein? Na klar, ein Maulwurf! Wir sind heute mit einem der Buddelmeister zum Interview verabredet. Experten von der Deutschen Wildtier-Stiftung helfen uns bei der Übersetzung.

Aber wo ist er nur? Ah, da regt sich etwas in der Erde. Das wird wohl Herr Buddelkowski sein, der Maulwurf.

Glück auf! Entschuldige die kleine Verspätung, ich musste eben noch ein paar Regenwürmern den Kopf anbeißen.

Anbeißen? Warum machst du das?

Ich fülle gerade meine Speisekammer für den Winter. Damit die zappeligen Würmer schön frisch bleiben und trotzdem nicht wegkriechen können, knabbere ich sie an.

Das ist wirklich ein schlauer Trick, Herr Buddelkowski.

Sag doch einfach Rolf zu mir.

Gerne. Also Rolf, ich spreche es ja ungern an, aber viele Menschen möchten dich nicht in ihrem Garten haben. Woran liegt das?

Das ist ein großes Missverständnis. Viele Menschen denken, ich würde ihre Pflanzen futtern, dabei bin ich überzeugter Fleischfresser. Auf meinem Speisezettel stehen Schädlinge wie Schnecken, Engerlinge oder Larven, außerdem vertreibe ich Wühlmäuse. Ich bin also ein Gartenpolizist! Dazu lockere ich den Boden und liefere Haufen in bester Erdqualität frei Haus. Die könnten die Menschen einfach mit dem Spaten aufs Beet schaufeln.

Aber Rolf, du wohnst doch unter einem Fußballplatz!

Ich bin ein Einzelgänger und brauche viel Platz für mein Tunnelsystem. Außerdem bin ich als Jäger ja auch ein Sportler. Siehst du meine Muskeln und die extrabreiten Schaufel-Hände mit den langen Krallen? Damit kann ich graben wie ein Weltmeister.

Wie jagst du denn unter der Erde? Dort ist es ja stockdunkel.

Mein Stummelschwanz dient mir als Taststock und meine bewegliche Rüsselnase ist ultra-empfindlich. Damit fühle ich meterweit jedes Käferkrabbeln. Mit meinem walzenförmigen Körper und dem seidigen Pelz zische ich wie ein Bohrer durch die Gänge – und dann: Haps, mampf, mampf!

Du bist ein leidenschaftlicher Esser?

Unbedingt! Ich habe ständig Kohldampf. Meine Arbeit ist anstrengend. Insgesamt wiegt das, was ich an einem Tag futtere, so viel wie ich            selbst, also etwa       100Gramm.

Machst du demnächst eigentlich einen Winterschlaf?

Nein, nein, bei mir ist immer Jagdsaison! Winterschlaf mache ich nicht, ab und zu ein Nickerchen reicht mir. Oh, ich bekomme schon wieder Hunger. Da hinten krabbelt was. Ich muss wieder los!

Warte! Wir wollten dir noch gratulieren. Fachleute haben dich nämlich zum Wildtier des Jahres 2020 gewählt! He, jetzt ist er ja schon wieder                                      unterwegs!

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