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Hörspiel-Autor: „Wir sind Augentiere“

05.11.2021 05:30, Von Jill Frenz — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Augen zu und Ohren auf. Das macht der Autor Matthias von Bornstädt, wenn er ein Hörbuch schreibt. Außerdem erzählt er im Interview, wie ihm manche Figuren beim Schreiben in den Kopf reinreden.

Kopfhörer auf und ins Hörspiel abtauchen. Das gefällt auch dem Hörspiel-Autor Matthias von Bornstädt (rechts).  Fotos: Boris Roessle/Mika Redeligx
Kopfhörer auf und ins Hörspiel abtauchen. Das gefällt auch dem Hörspiel-Autor Matthias von Bornstädt (rechts). Fotos: Boris Roessle/Mika Redeligx

Kira ist mutig, 16 Jahre alt und Bloggerin. Außerdem ist sie um drei Ecken verwandt mit der rasenden Reporterin Karla Kolumna aus „Bibi Blocksberg“ und „Benjamin Blümchen“. Mit ausgedacht hat sich die neue Hörspiel-Figur Kira Kolumna der Autor Matthias von Bornstädt. Er schreibt auch Kinderbücher, Comics und Trickfilm-Drehbücher. Hier erzählt er, was ihn besonders an Hörspielen fasziniert.

 

Herr von Bornstädt, wie unterscheidet sich das Schreiben für Hörspiele vom Bücherschreiben?

Für Hörspiele kann man die Dialoge viel direkter schreiben. Ein großer Teil bleibt dabei der Fantasie der Hörer überlassen. Beim Buch muss man hingegen alle Szenen viel genauer beschreiben, damit der Leser sich etwas vorstellen kann.

Gibt es auch Dinge, die nur in Hörspielen vorkommen?

Normalerweise ist das Sehen unser erster Sinn, mit dem wir alles wahrnehmen. Wir sind Augentiere. In Hörspielen aber kann man gut Sachen erzählen, die mit den Ohren passieren: Gespräche, Laute und Geräusche. Bibi Blocksberg zum Beispiel hatte sich mal eine Krankheit angehext, die hieß Gelenkus Knackus. Da haben ihre Gelenke bei jeder Bewegung wirklich geknackt. Auch Benjamins Blümchens „Törööö“ ist so ein Geräusch. Für Hörspiele versuche ich, mit geschlossenen Augen und offenen Ohren durch die Welt zu gehen.

Wenn Sie schreiben: Haben Sie die Stimme schon im Ohr?

Bei bekannten Figuren wie Bibi Blocksberg weiß ich, wie sie klingen. Bibi redet mir quasi in den Kopf rein. Bei einer neuen Figur wie Kira Kolumna ist das anders. Dabei muss man lernen, eine Figur zu spüren, die es vorher noch gar nicht gab.

Sprechen Sie sich die Dialoge auch manchmal selbst vor?

Meistens passiert das im Kopf. Aber ich spreche auch mal leise vor mich hin, während ich schreibe. Mit meiner Redakteurin führe ich sehr intensive Arbeitsgespräche zu den Figuren, dabei sprechen wir uns oft einzelne Sätze gegenseitig vor, die auf jeden Fall reinkommen sollen.

Wussten Sie vorher, dass Kira Kolumna von Yvonne Greitzke gesprochen wird?

Nein. Aber mir war klar, dass Kira Kolumna keine hohe, aufgedrehte Stimme haben soll, sondern eine etwas dunklere Stimmfarbe. Über sowas haben wir vorher schon gesprochen. Entscheiden konnte ich das nicht, da waren ganz viele andere Leute daran beteiligt.

Was fasziniert Sie an Hörbüchern?

Es ist, als wäre jemand im Raum. So ist man nicht alleine. Außerdem ist ein Hörspiel ein Mittelding zwischen Buch und Film. Beim Buch-Lesen muss man die ganze Arbeit selber leisten, um den Text lebendig werden zu lassen in der Fantasie. Im Film wird einem fast alles abgenommen. Beim Hörspiel aber kann man nebenher was basteln, man kann das Zimmer aufräumen oder man kann auch krank sein. Ich habe es sehr viel gehört, als ich krank war früher.“

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