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Haut an Haut geht unter die Haut

30.05.2020 05:30, Von Cyril Costines — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Warum Berührungen für Menschen wichtig sind und uns eine Umarmung gut tun kann

Keine Umarmung, kein Händeschütteln: In der Corona-Krise berühren sich Menschen nicht mehr so oft. Dabei ist das für viele ein tolles Gefühl. Wir haben eine Expertin gefragt, was passiert, wenn Berührungen seltener werden.

Der zwölfjährige Levi wird von seinen Eltern in ihrer Berliner Wohnung liebevoll umarmt. Jemanden zu umarmen kann sich total gut anfühlen.  Foto: Cyril Costines/dpa
Der zwölfjährige Levi wird von seinen Eltern in ihrer Berliner Wohnung liebevoll umarmt. Jemanden zu umarmen kann sich total gut anfühlen. Foto: Cyril Costines/dpa

Vor der Corona-Krise war es für viele das Normalste auf der Welt: Zwei Freunde nehmen sich in den Arm. Zwei Bekannte schütteln sich zur Begrüßung die Hände.

Die Neurowissenschaftlerin Rebecca Böhme, Assistenzprofessorin am Zentrum für soziale und affektive Neurowissenschaften in Linköping, Schweden, vor einem MRT. Rebecca Böhme ist eine Gehirnforscherin.  Foto: Thor Balkhed/Universität Linköping/dpa
Die Neurowissenschaftlerin Rebecca Böhme, Assistenzprofessorin am Zentrum für soziale und affektive Neurowissenschaften in Linköping, Schweden, vor einem MRT. Rebecca Böhme ist eine Gehirnforscherin. Foto: Thor Balkhed/Universität Linköping/dpa

Doch dann kam das Virus, und es hieß Abstand. Seitdem sind Berührungen im Alltag seltener geworden. Manchen fehlt deswegen etwas. Die Expertin Rebecca Böhme erklärt, was Berührungen mit uns machen und warum nicht alle Umarmungen mögen.

Warum ist es für viele schön, umarmt zu werden?

„Eine Umarmung kann uns ein Gefühl von Sicherheit oder Trost geben. Sie kann uns auch das Gefühl geben, gemocht zu werden. Wir empfinden diese Gefühle oft viel stärker durch eine Berührung, als wenn das Gegenüber nur Worte benutzt. Außerdem gibt uns eine Umarmung das Gefühl, dass wir zusammengehören.“

Was kann eine Berührung bei uns auslösen?

„Berühren uns Menschen, die uns nahestehen, dann werden in unserem Körper bestimmte Botenstoffe freigesetzt. Sie teilen uns zum Beispiel mit: Alles ist in Ordnung! Oder: Jemand anderes ist bei uns. Dadurch fühlen wir uns weniger gestresst, ängstlich oder besorgt.

Das sehen wir bereits an unseren entfernten Verwandten, den Affen: Den halben Tag lang lausen sie sich gegenseitig, weil dies ihr Gefühl für Gemeinschaft stärkt.“

Was kann man tun, wenn Berührungen wie zu Corona-Zeiten fehlen?

„Die meisten Menschen haben ja noch jemanden, der sie berühren kann, zum Beispiel Eltern oder Geschwister. Kuscheln mit dem geliebten Haustier ist auch ein guter Ersatz. Dies liegt daran, dass die gleichen Botenstoffe ausgeschüttet werden. Das fühlt sich warm, weich und behaglich an.

Leider ist es für Menschen, die alleine leben, schwieriger. Aber man kann versuchen, ein ähnliches Wohlgefühl zu erleben. Zum Beispiel, indem man in die Natur hinausgeht oder beim Sport seinen Körper spürt.“

Warum mag man es, manche Leute zu berühren und andere nicht?

„Es ist ganz normal, dass man manche Menschen gerne berührt und andere überhaupt nicht anfassen möchte. Meistens hängt dies damit zusammen, wie nahe man sich der Person fühlt oder wie sehr man sie mag. Auch hier ist es ähnlich wie bei Affen: Am liebsten lausen sie ihre engen Verwandten oder Freundinnen und Freunde.“

Warum mögen es manche Leute, umarmt zu werden und manche nicht?

„Es ist nicht klar, warum manche Menschen es lieben, andere zu kuscheln und zu berühren, aber andere lieber gar nicht berührt werden möchten. Es könnte mit unterschiedlichen Erfahrungen in unserem früheren Leben oder sogar mit angeborenen Eigenschaften zusammenhängen. Klar ist jedenfalls: Jeder hat das Recht, Stopp zu sagen, wenn Berührungen unangenehm oder störend sind.“

Wer darf mich denn wo berühren?

„Das entscheidet jeder für sich selbst. Den meisten Menschen macht es nichts aus, wenn sogar Fremde ihre Hände berühren. Aber schon Arme, Schultern und Gesicht sollten nur von Bekannten berührt werden, von denen man wirklich berührt werden möchte. Je näher Berührungen der Körpermitte kommen, desto näher soll uns die berührende Person stehen.

Aber wie ich schon sagte, das gilt nur für die meisten Menschen. Jeder Mensch ist ein wenig anders und hat andere Vorlieben und Grenzen.“

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