Schwerpunkte

Paulas Nachrichten

Hassan möchte Kamelhändler werden

16.07.2011 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Manche Kinder wollen Astronaut, Polizist oder Förster werden. Hassan möchte später als Kamelhändler arbeiten. Der Zwölfjährige lebt in Somalia in Ostafrika. Sein Vater kauft und verkauft Kamele.

Wann immer es geht, begleitet Hassan seinen Vater auf den Kamelmarkt – zum Beispiel in den Ferien. „Wenn ich erwachsen bin, will ich bei meinem Vater arbeiten“, sagt Hassan. Er ist gern auf dem Kamelmarkt in Hargeisa in Somalia, wo immer Gedränge und Geschrei herrscht und sich Händler und Kunden in kleinen Gruppen versammeln. Nur die Kamele, die überall herumstehen, schauen gleichgültig und ein bisschen hochmütig drein.

Somalia liegt an der afrikanischen Ostküste. Viele Menschen dort züchten Vieh und ziehen wie ihre Vorfahren mit Schafen, Ziegen und Kamelen durchs Land. „Kamele sind unsere wertvollsten Tiere“, erklärt Hassan. Sein etwas älterer Freund Abdi nickt. „Die Kamele, die hier auf dem Markt verkauft werden, werden mit dem Schiff nach Saudi-Arabien gebracht.“ Andere Tiere werden für die Zucht eingesetzt – zum Beispiel der große Kamelhengst, den auch Hassans Vater bewundernd anschaut. Er ist größer und stärker als die meisten anderen Tiere auf dem Markt. Sein Besitzer will 2000 Dollar für das Tier – das ist etwa doppelt so viel wie gewöhnlich.

Feste Preise gibt es auf keinem Markt in Hargeisa. Auch auf dem Kamelmarkt wird kräftig gefeilscht. Der Händler will natürlich einen guten Preis erzielen, und der Kunde möglichst wenig bezahlen. So ein Handel kann lange dauern, vor allem wenn viel Geld für gleich mehrere Kamele im Spiel ist. Bei diesen Verkaufsgesprächen hört Hassan immer gespannt zu. Ein bisschen helfen darf er auch. Sein Vater schickt ihn dann, um süßen Tee für die Geschäftspartner zu holen.

Wenn sich alle über den Preis einig sind, wird der Handel mit einem Handschlag besiegelt. Einen Kaufvertrag wie für ein Auto oder eine Rechnung wie für neue Jeans gibt es nicht. Das ist dann der Moment, wo Mohammed Abdallah Omar ins Spiel kommt. Er trägt einen Eimer mit grüner Farbe herum. Wann immer ein Händler ihm zuwinkt, kommt er, um ein Zeichen auf das Fell des verkauften Kamels zu malen.

„So wird sichergestellt, dass kein Kamel doppelt verkauft wird“, erklärt Hassan. Als Markthändler hat sein Vater ein bestimmtes Zeichen. Wenn er ein Kamel kauft, kann Hassan es sofort an dem grünen Kringel erkennen. „Auf dem Kamelmarkt ist es nie langweilig“, schwärmt Hassan. „Wenn ich hier unterwegs bin, stelle ich mir vor, selbst zu handeln und eine schöne Kamelherde zu kaufen.“

Hassan (rechts) und Abdi auf dem Kamelmarkt in Hargeisa Foto: Eva Krafcyk

Paulas Nachrichten