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Hai-Haut für Schiffe, Lotus-Effekt für Krawatten

23.12.2017, Von Lea Richtmann — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Manche Tricks der Natur lassen sich in der Technik nutzen

Beobachten wir Menschen die Natur, können wir viel von ihr lernen. So können Forscher zum Beispiel Schiffen eine künstliche Haifisch-Haut geben. Denn Tiere und Pflanzen regeln manche Dinge besser als wir.

Vergleich zwischen einer unbeschichteten und einer beschichteten Oberfläche des Bionik-Innovations-Centrums der Hochschule Bremen. Links haben sich kleine Krebse an der Schiffswand festgeklammert. Rechts können sie leicht abgewischt werden, weil sie sich an der Oberfläche nicht festhalten können. Foto: B-I-C, Hochschule Bremen

Was haben Schiffe, Fallschirme und Krawatten, die trocken bleiben, wenn sie in Suppe hängen, gemeinsam? Alles haben die Menschen nicht einfach so erfunden. Sie haben sich bestimmte Dinge von der Natur abgeschaut. Dieses Abschauen nennen Forscher Bionik.

Hai-Haut hat viele kleine Spitzen

Für dieses Modell wurde die Haut eines Hais nachgebaut und stark vergrößert. Foto: B-I-C, Hochschule Bremen

Wissenschaftler haben sich zum Beispiel Haie genauer angesehen. „Der Hai hat auf seiner Haut eine spezielle Struktur, die eine Doppelfunktion hat“, erzählt Bionik-Expertin Antonia Kesel. Zum einen hält die Haut den Hai frei von Muscheln, die auf ihm sitzen könnten. Zum anderen hilft ihm die Haut, mit wenig Energieverbrauch durchs Wasser zu gleiten. Das Problem mit den Muscheln haben auch Schiffe.

Von der Lotus-Pflanze und ihren Blättern können wir Menschen viel lernen. Foto: Roland Holschneider

Forscher wie Antonia Kesel haben es geschafft, die Hai-Haut nachzubauen. Nun können Schiffe mit künstlicher Haifisch-Haut ausgestattet werden. „Das spart Geld und Abgase. Denn die Schiffe werden nicht mehr durch die Muscheln gebremst“, erklärt Antonia Kesel. „Außerdem muss man keine giftigen Lacke, mit denen sonst Bewuchs verhindert wird, auf die Schiffe streichen. Es reduziert somit die Umweltverschmutzung.“

Blätter mit Wachs

Ein anderes Beispiel aus der Bionik ist der Lotus-Effekt. Der Lotus ist eine Blume, die vor allem in Asien wächst. Die Blätter dieser Pflanze sind besonders: Sie haben kleine Noppen – wie ein kleines Gebirge, auf dem noch winzigere Wachsteilchen sind. Expertin Antonia Kesel erklärt: „Das bedeutet, dass ein Schmutzteilchen nur an ganz, ganz kleinen Spitzen aufliegen kann. Es nimmt also gar nicht richtig Kontakt zum Blatt auf, sondern liegt nur lose auf.“

Stell dir vor, du faltest ein Blatt Papier wie eine Ziehharmonika und legst dann einen leichten Ball darauf. Der Ball berührt das Papier nur an den Spitzen – genauso wie ein Staubkorn das Lotus-Blatt!

Hinzu kommt, dass der Lotus durch die Wachsschicht Wasser abstößt, fast wie ein Regenmantel. In dem Moment, in dem Wasser auf ein Blatt tropft, rollt es in Perlen ab. „Da jedes Staubkorn wegen der Struktur nicht fest am Blatt haften kann, reißt ein Wassertropfen es einfach mit herunter. Das Lotusblatt reinigt sich selbst“, schildert die Forscherin den Vorgang.

Wandfarbe mit Lotus-Effekt

Auch diesen Effekt haben Forscher nachgebaut: Es gibt Wandfarbe, mit der man ein Haus anstreichen kann. Die Wand bleibt so länger sauber. Es existiert sogar ein Spray für Kleidung. Mit diesem kann man zum Beispiel eine Krawatte einsprühen. Hängt man nun aus Versehen beim Mittagessen die Krawatte in die Suppe, ist sie immer noch trocken, wenn man sie herauszieht!

Und was ist mit dem Fallschirm? Pustet man gegen einen verblühten Löwenzahn, schweben die Samen sacht zu Boden – wie Fallschirme.

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