Paulas Nachrichten

Grimassen vor dem Spiegel

27.07.2019, Von Helena Schwar — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Der Knete-Künstler beobachtet, wo Falten entstehen und wie sich Mund und Augen bewegen

Einige Künstler malen mit Pinseln auf Leinwände, andere schnitzen Holz oder hauen Skulpturen aus Stein. Und wieder andere arbeiten mit Knete. Moment mal. Knete, ist das nicht nur für Kinder? Nein!

Um so eine Figur zu kneten, braucht es Geduld und Fingerspitzengefühl.  Fotos: Helena Schwar/dpa
Um so eine Figur zu kneten, braucht es Geduld und Fingerspitzengefühl. Fotos: Helena Schwar/dpa

HAMBURG. Mit seinen Händen erschafft der Künstler Marlin van Soest wunderbare Figuren aus Knete. Einen Drachen mit weit aufgerissenem Maul etwa. Oder einen Fußballer, der einen Ball köpft. Gerade solche Figuren mitten in einer Bewegung seien aber schwer, sagt der Künstler. „Manchmal halten die Arme und Beine nicht in der Position, in der ich sie gerne hätte, oder der Kopf sinkt nach unten“, erklärt er. „Da muss ich auch manchmal fluchen.“

Der Künstler Marlin van Soest knetet sehr gerne. Am liebsten kleine Figuren!
Der Künstler Marlin van Soest knetet sehr gerne. Am liebsten kleine Figuren!

Es kann also lange dauern, die Figuren zu kneten. Zeit benötigt Marlin van Soest auch dafür, die vielen kleinen Details anzukleben und einzuritzen: einen buschigen Bart, Nasenlöcher, Fingernägel, Falten oder blonde Haarsträhnen. Dafür braucht er viel Gefühl in den Fingerspitzen.

Vor der Knetarbeit steht die Beobachtung

Ein Werftarbeiter aus Knete des Künstlers Marlin van Soest Foto: Marlin van Soest/dpa
Ein Werftarbeiter aus Knete des Künstlers Marlin van Soest Foto: Marlin van Soest/dpa

Eigentlich hat Marlin van Soest Illustration studiert. Illustrationen sind die Bilder, die zu einem Text gemalt werden, etwa in Büchern. Das Zeichnen helfe ihm bei seiner Knete-Kunst, meint Marlin van Soest. „Bevor ich anfange zu kneten, beobachte ich die Menschen und zeichne sie“, erzählt er.

Dabei guckt er sich genau an, wie sie sich bewegen und wie groß sie sind.

Vor einiger Zeit etwa hat er Arbeiter in einem Hafen mit Knete nachgebildet. Zum Beispiel einen Mann, der mit einem Flammengerät an einem Grill steht. Der Mann erhitzt die Kohlen, um das Mittagessen der Arbeiter zu grillen. Um das genau zu studieren, ist Marlin van Soest jeden Tag zum Hafen gefahren und hat die Arbeiter dort beobachtet.

Wenn der Künstler ein Gesicht mit einem bestimmten Ausdruck kneten will, dann nimmt er einen Schminkspiegel zu Hilfe. Den stellt er neben sich und schneidet selbst Grimassen. Dabei beobachtet er sich im Spiegel.

„So kann ich sehen, was sich in meinem Gesicht bewegt, wo Falten entstehen und wie sich Mund und Augen bewegen“, erklärt er.

Zum Kneten ist Marlin van Soest durch seinen Neffen gekommen. Er wollte ein Mobile für ihn bauen und benutzte dazu neben Fäden auch Knetmasse. Weil ihm das so viel Spaß machte, entwarf er gleich noch mehr Spielzeug aus Knete. Vor allem für seine Tochter bastelte er viel. „Dabei habe ich festgestellt, dass Kneten ganz ähnlich ist wie Zeichnen. Es hat viel mit Beobachten und Verstehen zu tun. Man muss das, was man nachkneten möchte, ganz genau beobachten“, sagt er.

Paulas Nachrichten