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Gestein aufbrechen für mehr Erdgas

18.05.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Chemie ist im Einsatz, wenn der Rohstoff aus der Tiefe geholt wird

Mit Erdgas kann man einiges machen: Wohnungen heizen, Auto fahren oder Strom herstellen. Fachleute nutzen eine spezielle Technik, um Erdgas aus bestimmten Gesteinen tief unter der Erde zu holen: Fracking. Doch die Methode ist umstritten.

 

Ein Leben ohne Rohstoffe?

Ohne die Rohstoffe Erdöl und Erdgas wäre das Leben in vielen Teilen der Erde ein ganz anderes: Verreisen? Das ginge mit dem Fahrrad, bestenfalls noch mit einem Elektrofahrzeug. Überall, wo es im Winter draußen kalt wird, müssten die Menschen frieren. Das will keiner. Denn ohne die Bodenschätze Erdöl und Erdgas würde vieles nicht mehr funktionieren: Benzin- und Erdgas-Autos, Flugzeuge, Heizungen und Kraftwerke zum Beispiel. Doch leider gibt es da ein Problem: Von beidem gibt es nicht unendlich viel. Unternehmen suchen deshalb immer neue Wege, Erdöl und Erdgas zu gewinnen.

 

Der Schall gibt Auskunft

Erdöl und Erdgas etwa haben eines gemeinsam: Sie liegen sehr tief in der Erde. Um herauszufinden, wo genau, führen Experten Untersuchungen durch. Sie senden zum Beispiel an verschiedenen Punkten Schallwellen in die Erde, etwa mit einem lauten Knall. Die Wellen werden dann in den Boden geleitet. Treffen sie auf Gesteinsschichten, werden die Schallwellen zurückgeworfen – wie bei einem Echo. Oben auf der Erdoberfläche haben die Experten kleine Messgeräte verteilt. Die zeichnen auf, was von den Wellen zurückkommt. Aus dem Muster der aufgezeichneten Wellen können Experten sehen, wo Erdöl und Erdgas zu finden sind.

 

Schiefergas aus der Tiefe

Manchmal sitzt Erdgas in einem besonderen Gestein. Das hat viele winzige Hohlräume – ein bisschen wie bei einer Luftschokolade, nur kleiner. Doch dieses Gestein liegt tief in der Erde. Das Gas darin nennen Experten Schiefergas. Lange war das Gas für Unternehmen, die Erdgas suchen, nicht interessant. „Es war zu kompliziert und zu teuer, dieses Gas abzubauen“, sagt Harald Andruleit. Er ist Experte für Energierohstoffe und arbeitet bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. Doch mittlerweile haben Unternehmen das Fracking (sprich: „fräking) erfunden. Das Wort kommt aus dem Englischen und bedeutet in etwa: aufbrechen. Ingenieure bohren dafür lange Löcher in die Erde. Erst senkrecht und tief unten, dann zur Seite. Nun wird Wasser mit Sand und Chemikalien gemischt. Diese Mischung pressen die Leute in die Löcher. Im Gestein bilden sich feine Risse – so kann das Erdgas entweichen.

 

Streit um Fracking

Eine prima Idee? Oder ein Experiment, das böse enden kann? Wenn es um Fracking geht, gibt es oft richtigen Streit. Die Technik hat viele Gegner, aber auch Anhänger. Vor einigen Jahren haben viele Fachleute gesagt, dass diese Technik eine tolle Sache sei. Denn wenn man alle Schiefergasvorkommen mit Fracking abbauen würde, gäbe es noch für viele Jahre genug Erdgas und Erdöl auf der Welt. Doch mittlerweile melden immer mehr Leute Bedenken an: Denn auf lange Sicht löst auch Fracking das Rohstoffproblem nicht. Denn auch von dem Erdgas-Gestein gibt es nicht unendlich viel.

Viele Leute finden Fracking gar nicht gut. Sie haben große Angst um die Natur. Zum Beispiel deshalb, weil beim Fracking mit dem Wasser auch Chemikalien in den tiefen Untergrund gepresst werden. Die Fracking-Gegner fürchten, diese Chemikalien könnten ins Trinkwasser gelangen und dann die Umwelt vergiften.

 

Lage in Deutschland

In Deutschland wird Fracking nicht genutzt, um Schiefergas aus dem Boden zu holen. Politiker streiten noch darüber, ob das erlaubt werden soll. Die Unternehmen, die mit Erdgas Geld verdienen, sehen sich aber schon mal um, ob sie irgendwo Erdgas aus dem Boden herausbekommen könnten.

 

Vorreiter USA

In den USA gibt es Fracking schon lange. Dort ist dadurch tatsächlich schon mal Wasser verschmutzt worden. Die Leute fürchten zudem, dass Fracking kleine Erdbeben auslösen könnte. Manche Experten glauben nicht, dass das passieren kann. Andere sagen: Es gibt ein Risiko. Vor allem Unternehmen, die Erdgas verkaufen, betonen die Vorteile der Fracking-Methode. Zum Beispiel, weil man damit an viel Erdgas kommen kann, das sonst im Boden bliebe.

 

Schatz in Niedernwöhren?

Ganz in der Nähe eines Sportplatzes beim Ort Niedernwöhren im deutschen Bundesland Niedersachsen soll ein Schatz liegen. Der Rasen ist grün. Ein paar Erwachsene spielen darauf Fußball. Gleich daneben beginnt der Acker. Ein Schatz? Das kann man sich auf den ersten Blick nicht vorstellen. Doch tief unter der Erde soll es hier Erdgas geben. „Dass es in dieser Gegend Erdgas gibt, weiß man schon lange. Mit dem Erdgas in den besonderen Gesteinen konnte man bisher aber nicht viel anfangen“, sagt Harald Andruleit.

 

Bisher nur Probebohrungen

Doch nun haben Firmen plötzlich Interesse daran. Jedenfalls hat eine Firma schon mal gebohrt – etwa 1000 Meter tief in die Erde.Ob sie dort das Erdgas mit Fracking irgendwann herausholen werden, ist noch nicht klar. Bis man das weiß, kann es noch dauern. Trotzdem haben sich im Bundesland Niedersachsen schon mal Leute zu einer Gruppe zusammengetan. Sie wollen verhindern, dass bei ihnen Fracking eingesetzt wird. Die Menschen fürchten vor allem, dass das Fracking die Umwelt schädigt. Zum Beispiel indem Chemikalien ins Grundwasser gelangen. (dpa)

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