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Gelb oder Lila - wie die Farben in die Mode kommen

15.08.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Grelles Gelb finde ich klasse: gelbe Socken, gelbe Gürtel, gelbe Federtaschen. Irgendwann trug jemand eine grell-gelbe Jacke. Jetzt wollte ich so etwas Ähnliches auch haben: einen Anorak für den Winter. Also ging’s durch die Klamottenläden. Aber da hängen derzeit viele Sachen in Lila, Violett, Rot und Grün. Überall das Gleiche, im ersten Laden, im zweiten und im dritten. Das nervt. Doch eigentlich kennt man das ja: Bestimmte Farben sind angesagt. „Und plötzlich kommen ganz viele Modefirmen zeitgleich damit auf den Markt – als wäre es eine geheime Absprache“, erzählt der Farbfachmann Rachid Angri von der Firma Pantone.

Doch wie kommt es, dass eine Farbe wie mit einer Welle in die Geschäfte schwappt? Und: Ein Jahr später ist sie wieder verschwunden. Klar, das hat mit der Mode zu tun. Mal ist es cool, hauptsächlich schwarze Sachen zu tragen, mal zieht man sich richtig bunt an. Doch wer entscheidet, welche Farbe gerade Mode ist?

Modefarben sind kein Zufall. Sondern es gibt Leute, die ständig über neue Farben nachdenken. Das ist ihr Beruf. Man nennt sie Farb-Designer (gesprochen: Farb-Dieseiner). Sie sorgen mit dafür, dass alles in der Mode farblich zusammenpasst: Also, dass die Schuh-Hersteller die Modefarben ebenso kennen wie die Firmen, die Nagellack, Schmuck und Schulranzen herstellen.

Regelmäßig treffen sich zum Beispiel die Leute vom Weltverband der Farbexperten. Mehr als 1000 Experten gehören zu diesem Verband – kurz CMG genannt. Die Designer stecken ihre Köpfe zusammen. Sie beugen sich über Tische, auf denen Farbkärtchen mit vielen Tönen liegen. Sie diskutieren lange. Es gibt mehrere Auswahlrunden. Und irgendwann suchen Entscheider bestimmte Farbgruppen aus. Ihre Weissagung heißt: Diese Farben werden vermutlich in zwei, drei Jahren angesagt sein. Und wonach entscheiden die Experten? Sie reden darüber, wie die Leute sich fühlen werden in Zukunft. Und welche Farben zu ihrer Stimmung passen werden. Sie fragen: Denken die Menschen viel an den Umweltschutz? Dann kann Grün eine gute Farbe sein. Die Experten achten auch auf andere Trends im Alltag: zum Beispiel, dass es viele Kaffeetrink-Läden in den Städten gibt. Das kann heißen: Die Menschen mögen die Farbe Braun – wie vom Kaffee. Vielleicht verkaufen sich dann im nächsten Jahr auch braune Jacken gut?

Die Trendsucher geben ihre Tipps – wie Lila oder Grün – an Stoff-Hersteller weiter. Die Modeindustrie näht, die Händler bestellen die Ware. Und was passiert, wenn die Farb-Auswahl falsch war und keiner die Sachen anziehen will? „Das versuchen alle zu vermeiden. Denn das kann teuer werden“, sagen die Fachleute. Dann bleiben nämlich haufenweise Outfits unverkauft in den Läden.

Passantinnen betrachten die kommende Herbst/Winter-Mode. Foto: David Ebener

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