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Paulas Nachrichten

Für Paula ist Stierkampf ein rotes Tuch

07.11.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo liebe Kinder,

der Herbst hat seine guten Seiten. Man muss nicht immer draußen rumrennen und spielen. Oder unbedingt ins Freibad gehen. Man darf einfach mal zu Hause bleiben. Ohne was zu versäumen. Ich genieße das.

Ich hole mir dann die Welt zu mir ins Haus. Zum Beispiel mit einem Buch. Oder aber auch mit einer spannenden Geschichte aus der Zeitung. Der Andreas hat letzte Woche so eine geschrieben. Er hat auf einer ganzen Seite von seinem Urlaub in Amerika erzählt. Das waren ganz schön viele Buchstaben. Aber ich habe das geschafft. Es war ja auch interessant. Ich bin auf dem großen, blauen Sofa vom Andreas gesessen und habe gelesen.

Eine Geschichte habe ich nicht so verstanden. Die mit dem Rodeo. Habt ihr davon schon gehört, liebe Kinder? Die Menschen versuchen auf Pferden und Stieren zu reiten. Und die Tiere sollen sie runterwerfen. Wer am längsten auf den Tieren reiten kann, gewinnt das Rodeo.

Ich habe den Andreas gefragt: „Du, Andreas, ich verstehe gar nicht, warum die Tiere die Menschen runterwerfen wollen. Sind das böse Tiere?“

Der Andreas hat geantwortet: „Aber nein. Die Menschen ärgern die Tiere. Die sollen richtig wild werden. Sonst würden sie die Menschen nicht abwerfen wollen. Und das wäre ja richtig langweilig.“

„Die ärgern die Tiere? Wie machen die das denn? Erzählen die denen Quatsch, so wie du mir manchmal“, habe ich gescherzt.

„Nein, nein, Paula“, hat der Andreas gemeint. Dann hat er aber nicht gleich weitergesprochen. Er hat ein bisschen gezögert. Das kenne ich schon von ihm. Das tut er immer, wenn er mir etwas Unangenehmes erzählen muss.

„Naja, Paula“, hat er dann doch weiterberichtet, „die Menschen machen den Tieren einen Gürtel um den Bauch. Der zwickt die Tiere und macht sie richtig wild.“ Ich habe gleich losgeschnattert: „Und da gehst du hin? Obwohl die den Tieren wehtun?“

„Ich weiß, Paula, das ist blöd. Aber das gehört zur Kultur des Landes. Du kennst doch die ganzen Cowboy-Geschichten. Die haben mit ihren Pferden die Rinderherden bewacht. Und dieses Spiel erinnert daran. Wer Amerika verstehen will, muss so ein Rodeo mal gesehen haben. Übrigens tun sich die Cowboys oft selbst sehr weh, wenn sie von den Pferden oder den Stieren fallen. Und sie machen den Gurt gleich wieder runter, wenn der Reiter abgeworfen wurde. Aber mir ist schon klar, dass das für einen Tierfreund wie dich ein rotes Tuch ist.“

Das habe ich nicht verstanden. „Ein rotes Tuch? Soll ich mir mit dem die Nase schneuzen?“

Der Andreas hat gelacht. „Nein, nein, Paula. Das rote Tuch ist etwas Sprichwörtliches. Wenn sich jemand immer über eine bestimmte Sache ärgert, sagt man: Das ist für ihn ein rotes Tuch. Das kommt von einer anderen Sache, die du bestimmt nicht magst. Vom Stierkampf.“

„Stierkampf? Das hört sich ja böse an. Machen das auch die komischen Amerikaner bei ihrem Rodeo?“, wollte ich wissen.

Der Andreas hat mir erklärt: „Nein, das machen die Spanier. Das ist bei denen ein alter Brauch. Da gibt es einen Torero. Das ist der Stierkämpfer. Der hat ein rotes Tuch. Mit dem wedelt er dem Stier vor den Augen rum. Das reizt ihn. Er geht auf den Stierkämpfer los.“

Ich wollte wissen: „Mögen die denn die Farbe Rot nicht? Ich finde Rot schön.“

Der Andreas hat gelacht: „Die Stiere haben nichts gegen die Farbe. Die können wie alle Rinder die Farbe Rot gar nicht erkennen. Die können es nur nicht leiden, wenn man ihnen vor den Augen rumwedelt.“

„So? Dann verstehe ich nur nicht, warum man unbedingt ein rotes Tuch nehmen muss“, habe ich gefragt. Der Andreas hat schon wieder gezögert. Ich habe gewusst: Jetzt kommt schon wieder was, das mir nicht gefällt. Ich habe gesagt: „Na komm, rück schon raus mit der Sprache.“

Der Andreas hat ein bisschen rumgestottert. Dann hat er doch erzählt: „Naja, Paula, der Stierkämpfer tötet den Stier am Ende mit einem Degen. Und die rote Farbe der Muleta, so heißt das Tuch, steht für das Blut des Stieres. Also ist das Tuch eher für die Zuschauer rot als für die Stiere.“

Ich habe mich richtig aufgeregt. „Du warst doch bestimmt schon mal in Spanien. Bist du dann auch schon bei einem Stierkampf gewesen? Vielleicht wolltest du da ja auch mal die Kultur des Landes verstehen?“, habe ich geschnattert.

„Reg dich nicht auf, Paula! Ich war nur einmal in einer Arena, in einer der ältesten des Landes. Ich habe nur die Arena angeschaut. Denn einen Stierkampf würde ich mir wirklich nicht angucken. Das ist mir viel zu grausam“, hat mich der Andreas beruhigt. Das habe ich ihm geglaubt. Man muss sich ja wirklich nicht alles angucken. Soll er lieber zu seinen Fußballspielen gehen! Eure Paula

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