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Frösche im Klo und Skorpione im Stiefel

24.02.2021 05:30, Von Katharina Heimeier — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Der Alltag einer Tierärztin im Urwald auf der Insel Borneo – Sie kümmert sich um Gibbon-Affen

Hannah Emde ist Tierärztin. Aber sie kümmert sich nicht um Hunde, Katzen oder Pferde, sondern um seltene Tiere wie Gibbon-Äffchen. Uns hat sie erzählt, warum sie ihre Gummistiefel vor dem Anziehen ausschüttet.

Gibbons sind Menschenaffen und leben vor allem in Bäumen. Dort schwingen sie sich mit ihren langen Armen von Ast zu Ast.  Foto: Hannah Emde
Gibbons sind Menschenaffen und leben vor allem in Bäumen. Dort schwingen sie sich mit ihren langen Armen von Ast zu Ast. Foto: Hannah Emde

HAMBURG. Hannah Emde sitzt gerade beim Mittagessen, als der Notruf kommt. Ein Gibbon-Äffchen liegt auf einem Weg im Regenwald. Hannah Emde arbeitet zu diesem Zeitpunkt als Tierärztin im Dschungel. Die Luft dort ist schwül und heiß, von den Bäumen hängen Lianen. Affen rufen, Vögel zwitschern. Hier ist es nie still.

Hannah Emde läuft sofort los, als der Notruf kommt. „Wir haben vier Stunden gewartet, ob die Eltern zurückkehren – aber sie kamen nicht“, berichtet sie. Damit das Affen-Baby nicht in der nächtlichen Kälte erfriert, nimmt Hannah Emde es schließlich mit. Sie füttert es und untersucht es. Zum Glück ist das Affen-Baby nicht verletzt.

Dieser Vorfall ereignete sich, als Hannah Emde gerade auf der Insel Borneo in Südostasien arbeitete. Die Tierärztin ist nicht das ganze Jahr im Dschungel unterwegs, aber immer wieder für mehrere Monate.

Eine Auffangstation für Gibbon-Affen

Auf der Insel Borneo will Hannah Emde gemeinsam mit Tierschützern vor Ort eine Auffangstation für Gibbon-Affen errichten. Gibbons sind kleine Menschenaffen und gehören zu den besonders gefährdeten Tierarten. Sie leben vor allem in Bäumen. Dort schwingen sie sich mit ihren langen Armen von Ast zu Ast. Wenn sie auf dem Boden oder auf dickeren Ästen laufen, dann meist aufrecht auf zwei Beinen.

„Weil sie als Babys so süß sind, werden Gibbons extrem viel gejagt und als Haustiere gehalten“, sagt die Artenschützerin. Aber wenn die Gibbons ausgewachsen sind, werden viele von ihnen wieder ausgesetzt oder verkümmern in kleinen Käfigen. Für diese Affen soll die Auffangstation gebaut werden. Dort sollen sie aufgepäppelt und ausgewildert werden, wenn möglich.

Hannah Emde erzählt: Wenn sie für ihre Arbeit im Dschungel unterwegs ist, fühlt sich das an wie eine andere Welt. Sie beobachtet Orang-Utans, fährt mit dem Boot an Riesenkrokodilen vorbei und trifft auch mal auf eine Sumatra-Kobra. Nicht ganz ungefährlich.

Aber Hannah Emde hat keine Angst. „Wenn man sich anpasst, ist es auch nicht gefährlich“, sagt sie. Im Dschungel achtet sie auf jedes Geräusch. „Wenn sich eine Schlange nähert, dann hörst du das – sie bewegt sich sehr gleichmäßig durch das Laub“, sagt Hannah Emde.

Sie setzt jeden Schritt ganz vorsichtig und guckt genau hin, welchen Baum sie anfasst. Denn er könnte eine ätzende Rinde haben. Wenn sie zu einem Einsatz aufbricht, schüttet sie ihre Gummistiefel vor dem Anziehen aus. „Da könnten Skorpione drin sitzen“, sagt sie.

Bevor sie sich auf die Toilette setzt, wirft sie einen Blick in die Kloschüssel. „Es passiert schon mal, dass da ein Frosch drin sitzt, den man erst mal kurz rauslassen muss.“ Und wenn sie sich abends ins Bett legen will, klopft sie Bettdecke und Kopfkissen ab. Wer weiß schon, wer sich dort wieder versteckt hat.

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