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Forscher entziffert ägyptische Zeichen

22.09.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Von den alten Ägyptern kennen viele die Pyramiden. Aber habt ihr schon einmal Schriftzeichen von damals gesehen? Die sind für viele Forscher interessant. Denn noch immer ist nicht richtig klar, was die Ägypter da eigentlich schrieben. Selbst für Experten sind die Schriftzeichen und Bilder – auch Hieroglyphen (gesprochen: Hiero-glü-fen) genannt – nicht einfach zu lesen.

Jahrhundertelang wusste kein Forscher, wie man sie entziffern kann. In den vergangenen 200 Jahren haben Forscher mühsam zwei Techniken entwickelt, um sie zu lesen. Nummer eins: Man sieht die Zeichen und Bilder als Einzelstücke und liest sie hintereinander. Nummer zwei: Man kombiniert einzelne Zeichen zu verschiedenen Bedeutungen. So können mehrere Zeichen in einer Hieroglyphe unterschiedlich gelesen werden.

Noch schwieriger wird es bei der Lese-Richtung: zwar werden die meisten Hieroglyphen in Spalten geschrieben, von oben nach unten und von rechts nach links. Aber fast immer ergibt es auch einen Sinn, wenn man genau entgegengesetztherum liest.

Doch damit nicht genug. „Die alten Ägypter haben noch viel mehr Informationen in ihren Hieroglyphen hinterlassen“, sagt Sergio Busato. Er ist Computerspezialist an der Staatlichen Universität in Sao Paulo in Brasilien. Und ganz zufällig hat er jetzt versteckte Botschaften in Hieroglyphen entdeckt. Er las sie wie 3-D-Bilder, also wie Bilder, auf denen man erstmal nichts sieht, dann mit einer bestimmten Technik aber räumliche Bilder erkennt.

„Um die dreidimensionalen Bilder zu erkennen, muss man einzelne Stücke überlagern“, erzählt der Forscher. „Das kann man üben. Ein Bild sieht man mit dem rechten, das andere mit dem linken Auge. Und daraus ergibt sich in der Mitte ein neues Objekt.“ So fand er in einer Platte Informationen, die noch kein Fachmann vor ihm sah.

Damit er sicher sein konnte, dass er nicht schief geguckt hat oder sich das alles nur eingebildet hat, nahm er die Steinplatte mit in sein Büro. Am Computer scannte er das Bild ein. Er unterteilte es in viele Einzelstücke und lagerte einzelne Teile übereinander. Egal, wie er sie überlappte, spiegelte oder wendete – es kamen immer mehr bislang nicht erkannte 3-D-Informationen zum Vorschein.

Auf der Platte geht es um die Hochzeit eines Gottes mit einer Göttin. Diese soll für die Vereinigung von Ägypten und einem Gebiet namens Nubien stehen. So viel war bekannt. Doch die dritte Methode zeigte mehr: Aus beiden sollte sich eine neue, friedliche Gemeinschaft bilden. Der Forscher ist begeistert: „Das ist eine großartige Entdeckung. Das hat 200 Jahre lang niemand bemerkt, bei mir war es auch nur Zufall.“

Der Stein von Rosetta, aus Fort St Julien, el-Rashid, Ägypten, der heute im Britischen Museum in London lagert und aus dem Jahr 196 vor Christus stammt

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