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Fahrt frei – die Weichen sind gestellt

23.05.2011 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Fahrdienstleiter Jens Schwarz hat einen spannenden Job: Er stellt die Weichen bei der Hamburger S-Bahn. Dafür muss er Computer und große Hebel bedienen.

Ring, ratter, rrrrrrr. Viele Geräusche begleiten Jens Schwarz bei seiner Arbeit. Und viel Bewegung hat der Fahrdienstleiter bei der Hamburger S-Bahn auch: Die ganze Zeit läuft er hin und her – zwischen Computern, dem Telefon am Schreibtisch und mehreren Hebeln, die ziemlich alt aussehen. Sein Job ist es, die Weichen, die Schranken und die Fahrsignale am Bahnhof Sülldorf zu bedienen. Er muss also dafür sorgen, dass die Gleise frei sind für die einfahrenden Züge.

Das kleine Haus, in dem Jens Schwarz arbeitet, nennt man Stellwerk. Wenn morgens und abends viele Leute auf dem Weg zur Arbeit oder zurück sind, kommt aus jeder Richtung alle 10 Minuten eine S-Bahn. Am Rest des Tages fahren die Züge alle 20 Minuten. Etwa 170 Züge am Tag sind das, hat der Chef von Herrn Schwarz ausgerechnet. Es ist morgens kurz nach acht Uhr. Das Telefon klingelt. Herr Schwarz geht zum Schreibtisch. Es meldet sich ein Kollege vom Stellwerk, das zwei Bahnstationen weiter liegt. „Der sagt mir jetzt, dass die Bahn dort losfährt. Ich muss also die Strecke vorbereiten.“ Schnell schreibt er in ein Zugmeldebuch, welcher Zug erwartet wird. Die Zugstrecken von den Nachbarbahnhöfen zur Haltestelle Sülldorf sind jeweils eingleisig. Das heißt, es kann nur ein Zug darauf fahren. Aber der Bahnhof hat zwei Gleise, eins für jede Richtung. Dort können die Züge gleichzeitig halten. Vor dem Bahnhof teilt sich das Gleis dann in zwei Gleise. Züge haben kein Steuerrad, um auf das richtige Gleis zu fahren. Dafür gibt es auf den Schienen die Weichen. Der Zug fährt in die Richtung, die sie vorgeben. Jens Schwarz sorgt dafür, dass die Weichen in die richtige Richtung weisen. Würden sie das nicht tun, könnten zwei Züge aufeinanderprallen. Die Weichen stellt Herr Schwarz in mehreren Schritten: Zuerst schaut er auf einen Kasten, so groß wie ein Schuhkarton. Dort sind die Schienen von oben aufgemalt. Wie die Weichen stehen, sieht er an kleinen Lichtern. Per Knopfdruck kann er die Lichter und auch die Weichen umstellen. Die Weichen selbst sind mehrere hundert Meter weit weg, das Umstellen läuft alles über elektrische Leitungen. „Das reicht aber noch nicht“, erklärt er. „Die Weiche darf sich nicht bewegen, wenn der Zug drüberfährt. Deshalb muss ich sie mit einem Hebel verriegeln.“ Dazu drückt er einen schweren, blauen Hebel von oben nach unten. Dann rattert es. Von diesem Hebel führen Drahtseile zu der Weiche. Erst wenn Herr Schwarz das gemacht hat, kann er einen roten Hebel bedienen. Damit stellt er die Fahrsignale an den Gleisen: Sie springen von Rot auf Grün. Dann weiß der Lokführer: Okay, ich kann in den Bahnhof fahren. Nicht alle Stellwerke funktionieren so wie das von Jens Schwarz. Bei vielen wird alles per Computer gemacht. Jens Schwarz hat ständig etwas zu tun.

Außer den Weichen muss er noch per Knopfdruck die Schranken am Bahnübergang hoch und runter bewegen. Und danach an einer Kurbel drehen – das Drehen sorgt dafür, dass die Kollegen im nächsten Stellwerk ein Signal bekommen: Alles klar, die Strecke ist wirklich freigegeben. Die Kurbel macht das rrrr-Geräusch. Und schon klingelt bei Jens Schwarz wieder das Telefon: Der nächste Zug kommt.

Jens Schwarz ist Fahrdienstleiter bei der Hamburger S-Bahn. Mit dem blauen Hebel verriegelt er eine Weiche. Dadurch hält sie still, wenn ein Zug über sie fährt. Foto: Christiane Löll

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