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Fahrradhelme: Doof oder sinnvoll?

20.06.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Der zwölfjährige Moritz mag ihn, der etwas jüngere Pascal überhaupt nicht. Für Jonas, 14 Jahre alt, gehört er einfach dazu, und für Christoph war er sogar schon mal sehr wichtig: der Fahrradhelm.

Leidiges Thema. Die einen stehen drauf, die anderen pfeifen drauf. Sind Helme voll doof oder super gut? Tatsache ist: Fast jedes zweite Kind unter zehn Jahren fährt mit Fahrradhelm. Bei den Erwachsenen ist es ungefähr jeder Zehnte – Tendenz steigend. Das berichtet Bettina Cibulski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club.

Barbara ist die Mutter von Martin. Der ist 16 und bestimmt allein, ob er mit oder ohne Helm fährt. Seine Entscheidung: „Never, ist mir zu peinlich!“ Vor allem vor den Klassenkameraden, die auch keinen tragen.

Seine Mutter sagt: „Er mochte den Helm noch nie, im Sommer zu warm, im Winter unpraktisch.“ Zieht die Mutter denn selbst einen Helm auf? „Nö, sieht bescheuert aus. Und ich fahre ja nur kurze Strecken.“

Die Eltern machen es sich oft selbst leicht. Dabei wollen sie doch Vorbilder sein, oder? Schließlich predigen sie dauernd: „Vergiss deinen Helm nicht! Ohne Helm darfst du nicht los!“ Was, wenn die Kinder zurückfragen: „Und du?“

Frank Wevers, der in Düsseldorf einen Fahrradladen hat, beobachtet immer öfter: „Das Kind bekommt ein neues Fahrrad, und Helme werden gleich für die ganze Familie gekauft.“ Na also, geht doch. Frank Wevers findet es total dumm, ohne Helm zu fahren. Es ist zu gefährlich.

Diesen einen, besonderen Mittwoch im April wird der 13-jährige Christoph aus Dinslaken in Nordrhein-Westfalen so schnell nicht vergessen.

Da war er unterwegs zum Tennis mit dem Rad: In einer Kurve kommt ihm auf dem Radweg ein Typ entgegen, etwas älter als Christoph und pfeilschnell. Doch die Kurve ist ein bisschen eng, die Lenker berühren sich, das war’s. Sekunden später gibt es ein Knäuel aus zwei Fahrrädern. Der andere rappelt sich auf. Christoph blutet am Arm, sein Knie ist aufgeschrammt und die Schulter schmerzt. Prellungen, sagt der Arzt später. Und glücklicherweise: Am Kopf ist alles heil geblieben.

Christoph hatte einen Helm auf. Für ihn war der Helm sein Schutzengel. Es waren nur ein paar Kratzer an der Außenschale. Vom Asphalt. Weil er auch Rennrad fährt, ist ihm Sicherheit wichtig. Seine Mutter Annette hat damals einen mächtigen Schreck bekommen.

Und siehe da: Sie überlegt, sich einen Helm zu kaufen: „Ist ja eigentlich besser.“ Diese Einsicht haben Erwachsene jetzt anscheinend öfter.

Clemens (7 Jahre) setzt immer seinen Fahrradhelm auf. Mit oder ohne Helm? In Familien wird darüber oft diskutiert. Foto: Horst Ossinger

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