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Fachmann: „Streiten gehört zum Leben“

20.08.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Es gibt Menschen, für die ist Streiten der Beruf – für sogenannte Streit- oder Konfliktforscher. Sie untersuchen, warum sich Menschen streiten und wie sie das tun. Die Fachleute wollen aber auch herausfinden, wie man sich wieder vertragen kann.

Einer von ihnen ist der Streitforscher Johannes M. Becker von der Philipps-Universität Marburg in Hessen. „dpa-Nachrichten für Kinder“ erzählte der 57-Jährige unter anderem: „Streiten gehört zum Leben.“

Warum streiten sich Menschen?

„Weil sie verschiedene Interessen haben oder einen unterschiedlichen Blick auf die Wirklichkeit. Streit ist ein ganz normaler Bestandteil des Lebens.“

Wie verträgt man sich am schnellsten wieder?

„Eine Methode, die wir unseren Studenten beibringen, ist der Perspektivwechsel. Das klingt sehr theoretisch. Aber letztlich versetzt man sich in die Lage desjenigen, mit dem man sich streitet. Man versucht zu verstehen, warum er so handelt, bestimmte Dinge sagt oder wie er zu seiner Einstellung gekommen ist.“

Aber im Streit will man sich doch durchsetzen.

„So funktioniert es leider nicht. Wer sich vertragen will, muss bereit sein, sich zu bewegen, die eigene Position zu überdenken, eventuell auch zu verändern. Das geht nur im gemeinsamen Gespräch. Nur so findet ihr eine Lösung, einen Kompromiss. Es kann auch sein, dass der eine von sich aus seine Position aufgibt und auf die Seite des anderen umschwenkt. Dann ist ein Streit auch gelöst, ganz ohne Kompromiss.“

Manchmal ist man im Streit so wütend, dass man nicht reden will. Können dann auch eine Ohrfeige oder ein Schubser helfen?

„Nein, alle unsere Untersuchungen zeigen, dass mit Gewalt niemals ein Streit beendet wird. Es entsteht immer nur noch mehr Streit. Das ist auf dem Schulhof so, genau wie in der Politik. Gewalt erzeugt immer noch mehr Gewalt, niemals Frieden.“

Rozerin und Walandi aus Hamburg stellen eine Streit-Szene nach. Foto: Kerstin Schmidtfrerick

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