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Erdmännchen teilen sich die Arbeit

29.07.2017 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Das erste Erdhörnchen morgens ist sehr mutig, weil es nicht weiß, ob ein Feind lauert

Bei Regenwetter bleiben Erdmännchen lieber im unterirdischen Bau. Nasses Wetter mögen sie nämlich gar nicht. Scheint aber die Sonne, sieht man sie im Freien. Wir hatten Glück und die Tiere haben sich lange gezeigt.

Steckbrief: Das Erdmännchen  Grafik: A. Rigamonti
Steckbrief: Das Erdmännchen Grafik: A. Rigamonti

OUDTSHORN (dpa). Erdmännchen schlafen gut versteckt in ihrem unterirdischen, weit verzweigten Bau. Dort suchen sie sich am Abend eine der Kammern aus und kuscheln sich zum Wärmen eng aneinander. Denn in der trockenen Halbwüste Karoo im Land Südafrika ist es nachts viel kälter als am Tag. Die Landschaft sieht braun aus. Nur ein paar Steine liegen herum und ein paar Sträucher wachsen.

An einem kleinen Hang sind etliche Löcher als Höhleneingänge gebuddelt. Aus einem soll am Morgen irgendwann das erste Erdmännchen kriechen, das wach ist. „Welches Loch das sein wird, kann man nicht sagen“, erklärt Marine Dippenaar. Sie fährt in einem Safari-Fahrzeug zum Erdmännchen-Bau und kennt sich gut mit Erdmännchen aus.

Es ist fünf Uhr morgens. Die Tiere fühlen, wenn der Boden sich langsam aufwärmt. Das weckt sie auf.

Plötzlich sind alle still. Eine Nase hat kurz aus einem der Löcher gespitzt. „Das Erste ist sehr mutig“, sagt Marine. „Es weiß noch nicht, ob vielleicht ein Feind lauert. Ein Schakal zum Beispiel.“ Dann streckt das Erdmännchen für einen Moment vorsichtig seinen ganzen Kopf heraus und schaut, ob die Umgebung sicher ist. Erst beim dritten Mal kriecht es aus der Höhle heraus. Es setzt sich vor den Eingang und dreht seinen Bauch zur aufgehenden Sonne.

„Erdmännchen suchen sich für die Höhlen-Ausgänge einen Hügel ohne Pflanzen aus, in Richtung Osten“, sagt Marine. Wenn die Sonne im Osten aufgeht, scheint sie direkt auf die Löcher und die Erdmännchen wärmen sich gleich morgens auf. „Man sieht, wie sehr sie die Sonne genießen und die Bäuche rausstrecken, um die Hitze abzubekommen.“

Schwupp, da läuft schon das zweite Tier aus der Höhle und setzt sich vor ein anderes Loch, den Bauch zur Sonne gedreht. „Sie kommen in der gleichen Gegend aus den Löchern“, sagt Marine. „Weil die Schlafkammer mehrere Ausgänge hat, aus denen die Tiere kriechen können.“

Ein Erdmännchen nach dem anderen setzt sich in die Sonne. Sie genießen, gähnen ab und zu und halten Ausschau nach Feinden. Dazu stellen sie sich auch mal auf die kurzen Hinterbeine und stützen sich mit dem Schwanz ab.

Nach einer Weile laufen auch Tiere herum. Ein Erdmännchen klettert auf den höchsten Punkt des Hügels, um möglichst viel von der Umgebung sehen zu können. Die Jungen spielen und raufen. Dann rennt ganz plötzlich einer los in die weite, karge Landschaft und viele andere laufen mit. „Sie müssen jetzt los, Futter suchen“, sagt Marine. „Das geht erst, wenn sie sich ganz sicher sind, dass kein Feind lauert.“

Die Erdmännchen müssen aber nicht den ganzen Tag Wache halten. Die Tiere wechseln sich mit ihren Aufgaben ab. Während die einen Schmiere stehen, suchen andere nach Futter oder achten auf die Jungen.

Aus den Höhlenausgängen wirbeln jetzt Staub und Sand. „Ein paar Erdmännchen bleiben zu Hause und halten den Bau sauber“, sagt Marine. Sie buddeln die Löcher frei und werfen Sand und Dreck nach draußen.

„Gewöhnlich kommt die Jagd-Gruppe um sechs am Abend zurück, kurz vor Sonnenuntergang“, sagt Marine. „Um den Rest Sonne abzubekommen, der sie aufwärmt, bevor sie wieder zum Schlafen in ihren Bau gehen.“ Dann sitzen nach der Arbeit entspannt zusammen, die Bäuche wieder zur Sonne gerichtet.

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