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Einen berühmten Sprung miterleben Lebendige Geschichte: In einem Berliner Museum wird gerade ein Film für sogenannte VR-Brillen gedreht

27.04.2021 05:30, Von Philipp Brandstädter — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ein einzelnes Foto kann Geschichte schreiben. Damit diese nicht vergessen wird, hat ein Regisseur ein berühmtes Foto gerade neu aufbereitet. Dabei geht es um die Flucht eines Polizisten in Berlin. Der Regisseur machte daraus einen Film für VR-Brillen.

Die Darsteller Anton von Lucke, Daniel Axt und Max von der Groeben (von links nach rechts) besuchen zusammen mit Regisseur Boris Hars-Tschachotin (Zweiter von rechts) die Virtual-Reality-Installation zum DDR-Flucht-Foto „Der Sprung“ im Deutschen Historischen Museum. Der Regisseur hat die Straßenecke extra nachbauen lassen, an der der Grenzpolizist über den Stacheldraht gesprungen ist.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Die Darsteller Anton von Lucke, Daniel Axt und Max von der Groeben (von links nach rechts) besuchen zusammen mit Regisseur Boris Hars-Tschachotin (Zweiter von rechts) die Virtual-Reality-Installation zum DDR-Flucht-Foto „Der Sprung“ im Deutschen Historischen Museum. Der Regisseur hat die Straßenecke extra nachbauen lassen, an der der Grenzpolizist über den Stacheldraht gesprungen ist.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

BERLIN. Es ist der 15. August 1961 in Berlin. Die Stadt ist nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in West-Berlin und Ost-Berlin unterteilt. Die Grenze zwischen den Teilen wird im Osten bewacht, damit sie niemand überquert. Doch dann ist es ein junger Grenzpolizist selbst, der an einer Straßenecke über den Stacheldrahtzaun vom Ostteil in den Westteil Berlins springt. Das Foto, das dabei entstand, wird weltberühmt.

Aus diesem Foto machte der Regisseur Boris Hars-Tschachotin einen ungewöhnlichen Film. Oder um genau zu sein: drei Filme. Der Filmemacher sammelt alles, was er rund um die Geschichte finden konnte: zum Beispiel weitere Fotos, Filme, Akten und Berichte von Augenzeugen.

So gelang es dem Regisseur zum einen, die Straßenkreuzung für sein Filmprojekt so nachzubauen, wie sie vor 60 Jahren aussah. Zum anderen konnte er nun eine Geschichte rund um den berühmten Sprung erzählen.

Boris Hars-Tschachotin erzählt sie aus drei Blickwinkeln: der des fliehenden Polizisten, des Fotografen und eines Polizisten aus Westberlin. Die Zuschauer können das Ereignis also aus mehreren Sichtweisen verfolgen. Sie sind dabei mittendrin im Geschehen. Dazu wurde eine besondere Technik benutzt.

Das Publikum guckt sich die drei kurzen Filme durch VR-Brillen an. „VR“ steht für „virtuelle Realität“. Durch sie hat das Publikum den Film direkt vor Augen. Die Brille reagiert dabei auf die Kopfbewegungen. Dadurch kann sich der Zuschauer jederzeit umsehen und bekommt so einen Rundum-Blick von der ganzen Szene.

Diesen ungewöhnlichen Film zu drehen, machte auch ungewöhnlich viel Arbeit. „Bei den Aufnahmen gab es keinen Schnitt und keine Pause“, sagt Boris Hars-Tschachotin. „Die Schauspieler mussten zu jeder Zeit genau wissen, wo sie stehen oder hinlaufen müssen und was wer wann sagt“, erklärt er. Das allein musste das Filmteam lange miteinander proben.

Außerdem kam noch die technische Herausforderung dazu. „Bei so einem Film gibt es keine Kameraleute und Helfer im Hintergrund“, erklärt der Regisseur. „Denn die würde man ja aus irgendeinem Blickwinkel sehen können.“

Stattdessen waren die Schauspieler selbst die Kameraleute. „Sie mussten einen speziellen Helm tragen, an dem 14 Kameras montiert waren“, sagt Boris Hars-Tschachotin. Diese Kameras nahmen das Geschehen gleichzeitig auf. Dadurch entsteht der Rundum-Blick.

Die Mühe lohnte sich. Die Zuschauer können sich nun gut in das Ereignis hineinversetzen. „Sie spüren die Aufregung, wenn sie aus der Sicht des Polizisten sozusagen selbst über den Zaun springen.

Oder auch die Spannung des Fotografen, wenn er im richtigen Moment sein berühmtes Bild macht“, sagt Boris Hars-Tschachotin. Moderne Technik hilft also dabei, ein Stück Geschichte hautnah zu erleben und dieses nicht zu vergessen.

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