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Einen Baum zum Freund haben

13.10.2021 05:30, Von Interview: Anne Appl — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Kleine Bäume mögen es süß. Kinder und Baumkinder haben also einiges gemeinsam, weiß Förster und Autor Peter Wohlleben. Er empfiehlt, einen Baum als Freund zu haben.

Ein Junge sitzt in einer Baumkrone. In einen Baum zu klettern, bringt Spaß. Wenn er nicht zu hoch ist!  Foto: Anne Appl/dpa
Ein Junge sitzt in einer Baumkrone. In einen Baum zu klettern, bringt Spaß. Wenn er nicht zu hoch ist! Foto: Anne Appl/dpa

Kleine Bäume lieben Süßigkeiten. Über diese und andere Gemeinsamkeiten zwischen Kindern und jungen Bäumen haben die dpa-Nachrichten für Kinder mit Förster und Autor Peter Wohlleben gesprochen. Er erzählt auch, wie es ist, einen Baum zum Freund zu haben.

In einem Ihrer Bücher hat das Eichhörnchen Piet einen Baum zum Freund. Sie sind Förster und verbringen viel Zeit im Wald. Haben Sie auch einen Baum zum Freund?

Ja, da schaue ich von meinem Fenster direkt drauf. Da ist eine riesige Birke. So eine große habe ich sonst noch nie gesehen. Für mich ist es etwas ganz Besonderes, wenn der Wind durch die Blätter rauscht. Und da ist auch eine Höhle drin, in der Vögel nisten.

Ein Baum spricht ja leider nicht. Wie kann man ihn denn kennenlernen?

Stimmt, Bäume sprechen nicht. Aber Bäume kann man anders kennenlernen. Zum Beispiel, indem man bei den heimischen Bäumen wie Buche, Ahorn, Birke, Eiche, Kiefer mal in ein Blatt beißt und guckt, wie die schmecken.

Nur bei einer Eibe sollte man das nicht tun, die ist giftig. Und ganz sicher, wenn man sich um einen Baum kümmert, dann wird das der Baum merken.

Was könnte ich denn für meinen Baumfreund tun?

Gießen ist eine tolle Idee. Im Sommer, aber auch wenn es im Herbst nicht viel regnet, freut sich der Baum über Wasser aus der Gießkanne. Ein Baum braucht zwar so 500 Liter, das ist etwa so viel wie drei Badewannen gefüllt. Aber über fünf Liter freut er sich auch. Es zählt jeder Schluck.

Was halten Sie denn davon, Bäume zu umarmen?

Bäume sind die größten Lebewesen auf der Erde. Die einfach anfassen zu können, ist doch cool.

Ist so ein Baum nicht auch ein etwas langweiliger Kamerad?

Nein, gar nicht. Wenn man den Baum mit einem Handy oder mit einer Kamera regelmäßig fotografiert, kann man toll sehen, was sich verändert. Der Herbst ist spannend. Im Winter tut sich nicht so viel. Aber im Frühjahr kann man jeden Tag ein Foto machen. Wenn die Blätter austreiben, passiert jeden Tag etwas Neues. So kannst du einen Baum über Jahre begleiten. Da ist ganz klar zu sehen: Der lebt, aber der ist halt langsam.

Haben Bäume auch Familie? Wie wachsen denn Baumkinder auf? Haben wir etwas gemeinsam?

Ganz klar: Kleine Bäume lieben Süßigkeiten. Wenn die Eltern im Herbst ihr Laub abwerfen, dann lassen die Kleinen es noch dran. Sie wandeln die Sonnenstrahlen, die so auf ihr Blatt kommen, in Zucker um. Und wenn sie ihr Laub dann abwerfen, können sie mit viel Zucker zu Bett gehen. Denn auch sie halten Winterschlaf. Außerdem wachsen unsere Waldarten unter ihren Eltern auf. Die Baumeltern verbinden sich über die Wurzeln mit ihren Kindern und erkennen sie. Und die kleinen Bäume wachsen in Gruppen auf, wie im Kindergarten oder in der Schule.

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