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Eine Malerin macht, was sie will

20.11.2021 05:30, Von Stefanie Paul — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Vor rund 120 Jahren wurden Malerinnen verspottet und beschimpft. Sie durften weder studieren noch ihre Werke öffentlich ausstellen. Paula Modersohn-Becker ließ sich davon aber nicht unterkriegen.

Besonders häufig malte Paula Modersohn-Becker sich selbst.  Foto: -/Landesmuseum Hannover - Artothek/dpa
Besonders häufig malte Paula Modersohn-Becker sich selbst. Foto: -/Landesmuseum Hannover - Artothek/dpa

FRANKFURT/MAIN. Sie malte und malte. Wenn sie nicht malte, dann zeichnete sie. Mehr als 700 Gemälde und etwa 1500 Zeichnungen hat Paula Modersohn-Becker in nur wenigen Jahren geschaffen. Zu ihren Lebzeiten bekam die aber kaum jemand zu sehen. Heute ist das anders. Nun gehört Paula Modersohn-Becker zu den berühmtesten deutschen Künstlerinnen.

Auf dem Grab der Malerin liegt eine Frauen-Skulptur mit Kind. Das Foto von 1895 zeigt die Malerin Paula Modersohn-Becker.  Fotos: Paula Becker/Schirn/dpa/Sina Schuldt/dpa
Auf dem Grab der Malerin liegt eine Frauen-Skulptur mit Kind. Das Foto von 1895 zeigt die Malerin Paula Modersohn-Becker. Fotos: Paula Becker/Schirn/dpa/Sina Schuldt/dpa

Ihr Talent und ihr Genie hat einer aber schon früh erkannt. Das war ihr Mann Otto Modersohn. Er schrieb über seine Frau einmal: „Keiner kennt sie, keiner schätzt sie – das wird anders werden.“

Dass die Malerin zunächst nicht berühmt wurde, lag auch an der damaligen Gesellschaft. Vor mehr als 120 Jahren war es für Frauen schwer möglich, Kunst zu studieren. Sie konnten ihre Werke kaum ausstellen und wurden verspottet. „Man beschimpfte sie als Mal-Weiber“, erzählt Chantal Eschenfelder. Sie arbeitet in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main. Dort ist gerade eine große Ausstellung mit den Werken von Paula Modersohn-Becker zu sehen.

Wäre es nach ihrem Vater gegangenen, wäre Paula Modersohn-Becker Lehrerin geworden. Tatsächlich machte die junge Frau eine Ausbildung zur Lehrerin in der Stadt Bremen. „Das war für die damalige Zeit auch schon etwas sehr Ungewöhnliches. Normalerweise hatten Frauen keinen Beruf“, erklärt Chantal Eschenfelder.

Danach aber malte und malte Paula Modersohn-Becker wieder. Für die Kunst reiste sie auch mehrmals nach Frankreich, in die Stadt Paris. Ganz allein! Dort ging sie in Museen und schaute sich die Werke von berühmten Malern an. „Ich glaube, sie war ein sehr neugieriger Mensch. Sie wollte immer Neues dazulernen“, sagt die Kunst-Expertin.

Mit ihrer Art zu malen war Paula Modersohn-Becker ihrer Zeit voraus. Deswegen verstanden damals viele andere Maler ihre Bilder nicht so richtig. Fachleute nennen ihre Kunst expressionistisch. Das bedeutet: Sie wollte Dinge nicht so abmalen, wie sie in Wirklichkeit waren. Sondern vielmehr so, wie sie auf die Malerin wirkten.

Ihre Bilder zeigen daher oft nur einen speziellen Ausschnitt. „Sie wirken wie ein Schnappschuss“, erklärt die Expertin. Viele Werke sehen zum Beispiel so aus, als seien sie aus dem Blickwinkel eines Kindes gemalt worden. Wurzeln erscheinen riesengroß, auch Hände oder Augen sind riesig. Paula Modersohn-Becker führte grobe Pinselstriche aus und nutzte gern erdige Farben.

Vielleicht würde es von Paula Modersohn-Becker heute viele Tausend Gemälde geben. Doch die Malerin starb sehr früh, mit nur 31 Jahren. Nach ihrem Tod sorgte unter anderem ihr Mann dafür, dass ihre Bilder in Ausstellungen gezeigt wurden. Sie bekam sogar ein eigenes Museum in der Stadt Bremen.

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