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Eine Insel mit 101 Schülern

07.10.2021 05:30, Von Helena Schwar — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Sechs Mitschüler in der fünften Klasse: Für Zaara und Piet auf einer kleinen Insel in der Nordsee ist das ganz normal. So ein Leben in der Abgeschiedenheit hat allerdings gute und schlechte Seiten.

Volle Schulbusse, Gedrängel in den Fluren, lautes Geplapper in der Klasse und lange Schlangen vor der Schultoilette. Das kennt doch jedes Schulkind, oder? Nicht jedes: Piet und Zaara gehen in die fünfte Klasse und haben nur sechs Mitschülerinnen und Mitschüler.

Sie leben auf Pellworm. Das ist eine kleine Insel in der Nordsee, auf der etwas mehr als 1000 Menschen zu Hause sind. Die einzige Schule der Insel ist die Hermann-Neuton-Paulsen-Schule. Hier gibt es nur zehn Schulklassen und 101 Schulkinder.

Piet ist im Sommer auf die Insel gezogen und neu in der Klasse. Zaara lebt schon immer mit ihrer Familie auf Pellworm. Beide wohnen gerne dort. „Man kennt auf der Insel eigentlich jeden“, sagt Zaara. „Man kann sich gut unterhalten und bekommt alles mit.“ Und vor allem hilft man sich auch gegenseitig.

Dass die Insel und ihre Schule so klein sind, hat gute und schlechte Seiten. Zaara und Piet wissen immer, wie es ihren Mitschülern geht. Sie bekommen aber auch immer mit, wenn es Streit gibt. Piet mag es, dass es in seiner neuen Klasse ruhig ist. „Da kann man besser arbeiten, weil nicht so viele Schüler quatschen“, sagt er. Allerdings ist es schwer, für einige Spiele genug Leute zusammenzubekommen. „Das ist manchmal doof“, findet Piet. In der Pause spielt er deshalb öfters mit Schülern aus anderen Klassen Fußball.

Das kennt natürlich auch Zaara. „Als wir noch mit der sechsten Klasse zusammen waren, konnten wir viel coolere Vokabelspiele machen, weil wir mehr Leute waren“, sagt sie. Vor der Corona-Zeit hatte die fünfte Klasse zusammen mit der sechsten in einem Raum gelernt.

Obwohl Zaara ihre Klasse gerne hat, ist sie neugierig, wie es an einer Schule auf dem Festland ist. „Ich stelle mir eine große Schule auf dem Festland sehr wülig und anstrengend vor, weil man viel rumlaufen muss“, sagt sie.

Andrea Martensen ist seit vielen Jahren Lehrerin auf Pellworm. Weil die Schule so klein ist, kennt sie alle Kinder und merkt immer, wenn es jemandem schlecht geht. Sie weiß auch, dass es für einige Kinder nicht so einfach ist, Freunde zu finden. Schließlich gibt es so wenige Kinder zur Auswahl. „Das kann natürlich schwer sein. Die Kinder müssen lernen miteinander auszukommen“, sagt sie.

Doch auch wenn die Schule klein ist, scheinen die Kinder dort viel Freude zu haben. Alle fünf Jahre findet ein Fest für die ehemaligen Schüler statt, zu dem viele auf die Insel kommen.

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