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Eine Echse ohne Beine

14.07.2021 05:30, Von Insa Sanders — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Die Blindschleiche ist gar nicht blind. Ihr Schwanz kann an bestimmten Stellen abbrechen. Zudem sorgt sie mit ihrem Aussehen für Verwirrung. Hier erfährst du mehr über dieses spannende Tier.

Berlin. Sie sieht aus wie ein besonders großer Wurm oder eine kleine Schlange. Die Blindschleiche ist aber keins von beidem! „Die Blindschleiche gehört zu den Reptilien, also zu den Kriechtieren“, sagt Axel Kwet. Der Biologe ist Experte für Reptilien. „Sie zählt zu den Echsen und ist weitläufig verwandt mit den Eidechsen“, erklärt er weiter. „Sie gehört zur Familie der Schleichen.“

Anders als die Eidechse hat die Blindschleiche jedoch keine Beine. Das war nicht immer so. Im Laufe der Erdgeschichte habe sich das bei der Blindschleiche so entwickelt, sagt Axel Kwet. „Sie lebt nur auf dem Boden und schlängelt sich durch das Gestrüpp. Weil sie dazu keine Beine braucht, sind die im Laufe der Zeit verschwunden“, erklärt er.

Dass das Reptil mal Beine hatte, erkenne man noch an dessen Knochen. Die Blindschleiche ist eher langsam unterwegs. Der Name „Schleiche“ passt also gut. Blind ist das Tier allerdings nicht. „Sie sieht sogar recht gut. Ihre Augen sind beweglich, und sie hat auch Augenlider und kann sie schließen“, sagt Axel Kwet. Eidechsen können das auch, Schlangen jedoch nicht. Noch etwas macht die Blindschleiche ähnlich wie die Eidechse: Sie wirft bei Gefahr einen Teil ihres Schwanzes ab. Der lenkt ihre Feinde für eine Weile ab, die Blindschleiche kann flüchten. Zu ihren Feinden gehören Greifvögel wie Mäusebussard oder Turmfalke. Auch Füchse, Marder und Katzen können ihr gefährlich werden.

Obwohl Blindschleichen in Deutschland überall verbreitet sind, sieht man sie nur sehr selten.

„Sie leben sehr versteckt im Unterholz und brauchen eigentlich keine direkte Sonne“, sagt Axel Kwet. Ihr Lebensraum sind Wälder und Wiesen, aber auch Parks und Gärten. „Meistens sind sie in der Dämmerung aktiv und fressen kleine Schnecken, Regenwürmer oder mal ein langsames Insekt, zum Beispiel eine Raupe“, sagt der Experte.

Spannend ist auch, wie der Nachwuchs auf die Welt kommt. Man sagt: Die Blindschleiche ist lebend gebärend. „Die Jungtiere kommen vollständig entwickelt in einer dünnen Ei-Haut auf die Welt, die bei der Geburt aufgeht“, erklärt Axel Kwet. Das heißt, die kleinen Blindschleichen wachsen in Eiern heran. Diese bleiben bis zur Geburt im Mutterleib.

Das sei besonders und habe sich im Laufe der Zeit so angepasst, sagt der Experte.

Entdecken kann man Blindschleichen mit etwas Glück von April bis Oktober.

Den Rest des Jahres verbringen sie in ihrem Winterversteck. Das sind zum Beispiel Erdlöcher, hohle Baumstämme oder Komposthaufen. dpa

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