Paulas Nachrichten

Ein schwarzer Punkt wandert über die Sonne

02.06.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ein besonderes Schauspiel am Himmel kann man am Mittwoch beobachten. Am frühen Morgen wandert ein schwarzer Fleck vor der Sonne entlang: die Venus, unser Nachbarplanet. Einen solchen Venus-Transit kriegt nicht jeder zu sehen, weiß Weltraumforscher Andreas Lagg.

Warum ist der Venus-Transit was Besonderes?

„Ein Venustransit passiert in über 110 Jahren nur zwei Mal: immer abwechselnd in einem Abstand von zuerst acht und dann über 100 Jahren. Der letzte Transit war 2004, vor acht Jahren. Nach Juni wird der nächste erst in 105 Jahren zu sehen sein, im Jahr 2117.“

Wie war der letzte Transit vor acht Jahren?

„Den habe ich mir damals mit meiner Familie von unserer Terrasse aus mit Schutzbrillen angeschaut. Ein Venus-Transit ist nicht so spektakulär wie eine Sonnenfinsternis. Man sieht einen Punkt über die Sonne wandern. Und wenn man eine Weile schaut, kann man wirklich sehen, wie der sich bewegt. Spektakulär ist, dass ich weiß: Das ist der Planet Venus. Und dass das extrem selten passiert.“

Was geschieht beim Venus-Transit genau?

„Alle Planeten unseres Sonnensystems kreisen um die Sonne. Nur zwei Planeten sind näher zur Sonne als die Erde. Einer davon ist Venus. Deshalb kann sie sich zwischen Erde und Sonne schieben. Das ist nicht wahrscheinlich, weil die Bahnen der Planeten geneigt sind. Es gibt nur zwei Bereiche, an denen Sonne, Venus und Erde in einer Linie stehen können. Und die müssen die Planeten auf ihren Umlaufbahnen gleichzeitig erreichen! Nur dann sehen wir die Venus vor der Sonne.“

So wie bei einer Sonnenfinsternis der Mond vor der Sonne steht?

„Genau. Aber die Venus ist viel weiter von uns entfernt als der Mond und erscheint uns deshalb viel kleiner. Während der Mond bei einem Transit die ganze Sonne abdecken kann, sehen wir die Venus nur als schwarzen Punkt.“

Woher weiß man, wann es so weit ist?

„Die Bahnen der Planeten um die Sonne sind genau bekannt. Deshalb können wir ihre Position zu jedem Zeitpunkt genau berechnen. Und so können wir auch den Zeitpunkt bestimmen, wann ein Planet zwischen Erde und Sonne steht.“

Ist das nur schön oder hat der Transit für Forscher auch einen Nutzen?

„Wissenschaftler nutzen den Transit zum Beispiel dazu, Informationen über die Gashülle zu sammeln, die die Venus umgibt. Die Sonne dient als Hintergrundlicht. Mit einem speziellen Sonnenteleskop können wir das Sonnenlicht untersuchen, das durch die Gashülle der Venus dringt. Die Art dieses Lichts verrät, welche Gase die Venus umgeben.“

Was ist, wenn Wolken die Sicht verdecken?

„Wir beobachten den Transit mit einem Satelliten vom Weltraum aus. Das geht auch dann, wenn auf der Erde der Himmel bewölkt ist.“

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