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Ein Schmarotzer als Glücksbringer

25.11.2020 05:30, Von Stefanie Paul — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Misteln leben in der Krone anderer Bäume und lassen sich von diesen mit Nährstoffen versorgen

Manchen sollen sie Superkräfte verleihen, anderen sollen sie Glück bringen: Misteln. Vor allem in der Weihnachtszeit hängen die kugeligen Pflanzen über vielen Türen.

Wenn die Bäume im Winter keine Blätter haben, kann man die Misteln in den Baumkronen gut entdecken.  Foto: Bernd Wüstneck/zb/dpa
Wenn die Bäume im Winter keine Blätter haben, kann man die Misteln in den Baumkronen gut entdecken. Foto: Bernd Wüstneck/zb/dpa

So ein Zaubertrank ist etwas Feines. Er macht einen super stark und unbesiegbar. Doch eine Pflanze darf im Zaubertrank auf keinen Fall fehlen: die Mistel! So ist es zumindest in den Comic-Geschichten von Asterix und Obelix. Glaubt man dort dem Druiden Miraculix, dann sind Misteln eine sehr wichtige Zutat, um Superkräfte zu bekommen. In Wirklichkeit sieht das aber etwas anders aus.

Zur Weihnachtszeit hängen sich manche Leute Mistelzweige über die Tür, deshalb werden sie oft auch verkauft.  Foto: Patrick Seeger/dpa
Zur Weihnachtszeit hängen sich manche Leute Mistelzweige über die Tür, deshalb werden sie oft auch verkauft. Foto: Patrick Seeger/dpa

Denn zumindest roh sind Misteln giftig. Gut also, dass man an die Pflanzen gar nicht so leicht herankommt. Man müsste dafür ziemlich hoch klettern, denn Misteln wachsen in den Baumkronen.

Misteln wachsen weit oben auf alten Bäumen

Man findet sie zum Beispiel auf Pappeln, Linden und Apfelbäumen. Gerade im Winter, wenn die Bäume kein Laub mehr tragen, kann man die kugelige Pflanze besonders gut sehen.

Doch warum wachsen die Pflanzen ausgerechnet dort oben? Das hat mit ihrer Lebensweise zu tun. Misteln werden auch Halb-Schmarotzer genannt. Das bedeutet, sie futtern sich zum Teil bei anderen Pflanzen durch.

Das geht so: Die Mistel bohrt sich mit ihren Wurzeln in den Baum und zapft dort die Leitungsbahnen an. So kann sie sich mit Wasser und Nährstoffen versorgen.

In der Regel schadet das dem Baum nicht. Es sei denn, er wird von zu vielen Misteln gleichzeitig angezapft.

Dann kann das zum Problem werden. Daneben betreibt die Mistel aber selbst noch Photosynthese.

Das heißt: Sie nimmt über ihre Blätter unter anderem Kohlenstoff-Dioxid aus der Luft auf und wandelt es mit der Energie des Sonnenlichts um, zum Beispiel in Sauerstoff und Zucker. Wie giftig die Mistel ist, hängt übrigens davon ab, auf welchem Baum sie wächst.

Viel Gift enthalten die Misteln zum Beispiel dann, wenn sie auf einer Linde wachsen.

Die Mistel galt früher als Zauberpflanze

Nicht nur in den Comics von Asterix und Obelix gilt die Mistel als Wundermittel. Sie wurde in früheren Zeiten auch von den echten Menschen für eine Zauberpflanze gehalten. Sie sollte beispielsweise vor bösen Geistern schützen und Unheil fernhalten.

Noch heute hängen sich viele Menschen in der Weihnachtszeit Misteln über die Tür.

In Ländern wie Großbritannien und den USA gibt es einen besonderen Brauch: Wenn Verliebte unter einem Mistelzweig stehen und sich küssen, bringt das Glück – und sie bleiben für immer zusammen.

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