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Ein Musikautomat ganz ohne Kabel

09.12.2021 05:30, Von Sonja Fröhlich — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Eine Musikbox mit einer Kurbel! Dieses ungewöhnliche Teil gibt lustige Töne von sich. Wie so ein Leierkasten funktioniert, erklärt der Leierkastenmann Jörg Frey.

Roland Wolf, Sammler von Leierkästen, steht zwischen zwei Drehorgeln aus dem Jahr 1890 (oben). Das kleine Bild rechts zeigt das Lochband. Das ist der Musikspeicher des Leierkastens. Fotos: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/Sonja Fröhlich
Roland Wolf, Sammler von Leierkästen, steht zwischen zwei Drehorgeln aus dem Jahr 1890 (oben). Das kleine Bild rechts zeigt das Lochband. Das ist der Musikspeicher des Leierkastens. Fotos: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/Sonja Fröhlich

„Und der Haifisch, der hat Zähne und die trägt er im Gesicht“, singt Jörg Frey. Dabei steht er in der Stadt Berlin und dreht an der Kurbel seines Leierkastens. Aus dem Kasten erklingt eine Melodie, die sich etwas lustig anhört.

„Der Leierkasten klingt traditionell immer ein bisschen schräg“, sagt Jörg Frey. Der Leierkasten, auch Drehorgel genannt, ist seine Leidenschaft. Jörg Frey gehört zu den wenigen Männern und Frauen, die das Instrument in Deutschland noch spielen.

„Ein Leierkasten ist ein Musikautomat, kein Instrument“, erklärt Jörg Frey. Um ihn zu bedienen, muss man keine Noten lesen können. Jörg Frey klappt seinen hölzernen Leierkasten auf und zeigt, was sich im Inneren befindet.

„Das Wichtigste ist der Steuerblock“, sagt er und meint einen kleinen, hölzernen Kasten mit Löchern. „Jedes Loch ist über Schläuche mit einer Pfeife verbunden“, erklärt er.

Dann zeigt der Leierkastenmann, wohin die Schläuche führen: zu unterschiedlich großen, hölzernen Pfeifen, die im Kasten verstaut sind. Wie der Rest des Leierkastens wurden auch die Pfeifen von Hand gefertigt. Jörg Frei erklärt, wie alles zusammenhängt: Die Kurbel treibt einen Blasebalg an. Der pumpt Luft durch die Schläuche bis zu den Pfeifen. Aus diesen erklingen dann die Töne.

Über dem Steuerblock liegt gelochtes Papier. „Die Löcher sind sozusagen die Melodie des Liedes“, sagt Jörg Frey und dreht an der Kurbel. Jetzt läuft das Band langsam über den Steuerblock. So kommt in bestimmter Loch-Reihenfolge Luft in die Flöten. „Wenn zum Beispiel viele Löcher an derselben Stelle hintereinander sind, ist das ein langer Ton“, sagt der Fachmann. „So wird dann eine ganze Melodie zusammengesetzt.“

Jörg Frey kann viele Lieder auf seinem Leierkasten spielen. Hat er sich in eine Melodie verliebt, die es noch nicht für den Leierkasten gibt, sucht er sich Fachleute. Diese bauen dann ein Band mit diesem Lied. Dafür stanzt eine Firma die passenden Löcher in das Band. Ein kleines bisschen üben muss Jörg Frey dann noch. „Jede Rolle wird in einem anderen Tempo gespielt. Bei einigen Liedern muss man sehr schnell spielen, bei anderen langsamer“, sagt er.

Das Leierkastenspielen muss man also erst lernen. Sein erster Auftritt war ein Reinfall, erinnert sich Jörg Frey. „Es hörte sich furchtbar an.“ Mittlerweile ist Jörg Frey ein Leierkasten-Profi. Er spielt regelmäßig vor Publikum. Viele seiner älteren Zuhörerinnen und Zuhörer erinnern sich noch an die Zeit, als Leierkasten häufig auf den Straßen zu sehen waren. Heute hingegen sind sie selten geworden.

Jörg Frey spielt auch Lieder aus dieser alten Zeit. Die Lieder kennt er von seiner Oma. Auch das Lied vom Haifischzahn ist so ein altes bekanntes Leierkasten-Lied.

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