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Ein Mann hebt so richtig ab

31.07.2021 05:30, Von Stefanie Paul — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Vögel, Insekten und Fledermäuse können fliegen. Menschen schaffen das eigentlich nicht. Es sei denn, sie benutzen Hilfsmittel. Einen der ersten Flugapparate hat ein Deutscher erfunden: Otto Lilienthal.

Die undatierte Aufnahme zeigt Otto Lilienthal bei einem seiner Gleitversuche. Otto Lilienthal baute verschiedene Fluggeräte. Er flog bis zu 250 Meter weit damit.  Foto: picture alliance / dpa
Die undatierte Aufnahme zeigt Otto Lilienthal bei einem seiner Gleitversuche. Otto Lilienthal baute verschiedene Fluggeräte. Er flog bis zu 250 Meter weit damit. Foto: picture alliance / dpa

Schon als Jugendlicher träumte er vom Fliegen. Als Erwachsener machte er seinen Traum wahr. Otto Lilienthal war ein großer Erfinder. Seine Flugapparate gehörten zu den ersten Flugzeugen der Welt. Am 10. August vor 125 Jahren kam er bei einem seiner Flüge ums Leben. Doch zuvor war er mehrfach erfolgreich in die Luft gegangen.

Für seinen ersten Versuch hatte er sich eine Sanddüne ausgesucht. Die lag in Derwitz im heutigen Bundesland Brandenburg. Vermutlich hatte Otto Lilienthal ein mulmiges Gefühl als er da oben stand. Schließlich war die Düne reichlich steil. Aber andererseits war sich der Erfinder sicher, dass es klappt.

Schließlich hatte er sich sein ganzes Leben gewünscht zu fliegen. Nun sollte es endlich so weit sein. Das Fluggerät dazu hatte der Erfinder sich selbst ausgedacht und gebaut. Das Gerüst des Gleiters bestand aus Weidenruten. Denn diese Zweige sind nicht nur leicht, sondern zugleich fest und stabil. Das Ganze bespannte er mit einem besonderen Stoff aus Baumwolle.

Fast 20 Jahre lang hatte Otto Lilienthal für seine Idee vom Fliegen geforscht und experimentiert. Vor allem schaute er sich den Flug der Vögel ganz genau an. Er beobachtete und studierte sie und achtete besonders auf die Form ihrer Flügel.

Dabei beschäftigte er sich auch mit der Aerodynamik. So nennt man die Frage, wie sich Luft und andere Gase bewegen. Irgendwann kannte er sich so gut damit aus, dass er sogar ein Buch darüber schrieb. Es heißt „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“. Viele Leute meinten damals, dieses Buch sei genial.

So einige Leute fanden damals aber auch, dass Otto Lilienthal spinnt. Der Mensch könne nicht fliegen. Er sagte dagegen: „Doch, der Mensch kann fliegen!“ Man brauche dafür aber den sogenannten Auftrieb.

Wie man den erzeugt und ihn nutzen kann, genau das hatte Otto Lilienthal herausgefunden. Die Flügel des Fluggeräts brauchen dafür eine besondere Form: Ihre Oberseite muss gewölbt sein.

Die gebogene Form hat nämlich eine besondere Wirkung: Die Luft strömt unterschiedlich schnell über den Flügel hinweg. Oberhalb des Flügels strömt die Luft schneller, unterhalb des Flügels strömt sie langsamer. Dadurch wird das Fluggerät quasi nach oben gedrückt.

Mit diesem Wissen wagte Otto Lilienthal im Jahr 1891 endlich den ersten Flugversuch. Mit Anlauf ging es also die Sanddüne hinab. Er flog!

Insgesamt unternahm Otto Lilienthal mehr als 2000 Flugversuche. Ständig entwickelte er seine Fluggeräte weiter und flog zum Schluss bis zu 250 Meter! An manchen Tagen startete er bis zu 80 Mal.

Bei seinen Flugversuchen wurde Otto Lilienthal oft von einem Fotografen begleitet. Mehr als 140 Fotografien sind davon erhalten geblieben. Heute sind Fotos für uns etwas ganz Normales, ständig sind wir am Knipsen. Vor rund 130 Jahren sah das anders aus. Fotos waren noch etwas ganz Besonderes. Vor allem dann, wenn man Bewegungen aufnehmen wollte. Denn für die meisten Fotografien mussten die Menschen eine Weile stillhalten.

Otto Lilienthal ließ die Fotos aber nicht einfach so zum Spaß machen. Er schaute sie sich genau an und entwickelte mit ihrer Hilfe seine Flugzeuge und seine Flugtechnik immer weiter.

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