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Ein Kind wird König: Heinrich IV.

25.07.2011 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Mit sechs Jahren schon König? Im Mittelalter konnte das passieren. Heinrich IV. folgte seinem Vater in diesem Alter auf den Thron. Heute kommen Kinder dann gerade erst in die Schule.

Mit Freunden toben, auf Bäume klettern und Staudämme bauen – für solche Dinge hatte Heinrich wenig Zeit. Mit sechs Jahren war er nämlich schon König. Heinrich IV. (gesprochen: der Vierte) gehörte zur Herrscherfamilie der Salier. Er lebte vor etwa 950 Jahren. „Wo genau, ist schwierig zu sagen“, erklärt der Experte Stefan Weinfurter. „Der König musste damals mit seinem Hof herumreisen, man konnte nicht von einem Ort aus regieren.“ Als Kind zog Heinrich daher mit seiner Mutter durch verschiedene Städte wie Speyer, Regensburg oder Köln. Mit vier Jahren wurde Heinrich IV. zum Mitkönig gekrönt. Sein Vater war noch der König, doch auch Heinrich wurde schon von den Menschen des Reichs verehrt. Zwei Jahre später starb Heinrichs Vater, und Heinrich IV. war der offizielle König – mit sechs Jahren! Weil er noch ein Kind war, übernahm seine Mutter Agnes viele seiner Aufgaben: Sie regierte das riesige Reich, während Heinrich eine anstrengende Erziehung bekam: „Gelehrte des Hofs unterrichteten ihn, damit er lesen und schreiben lernte“, sagt der Experte. Außerdem sollte er den Schwertkampf perfekt beherrschen. Täglich stand Kämpfen und Reiten auf dem Programm. Es gab im Reich Menschen, die mit der Herrschaft von Heinrichs Mutter nicht zufrieden waren. Zum Beispiel einige Fürsten und Bischöfe wollten mehr mitbestimmen. An einem Tag im Frühjahr 1062 entführten sie den zwölfjährigen König und brachten ihn auf ein Boot auf dem Fluss Rhein. Seine Mutter stand noch an Land, da legte das Boot ab. Heinrich schrie und sprang ins Wasser, doch jemand fischte ihn wieder heraus. Seiner Mutter blieb nichts übrig, als ihre Macht abzugeben. Heinrich IV. kam in die Obhut des Kölner Erzbischofs, der eine Weile das Reich lenkte. Als Heinrich 15 Jahre alt wurde, übernahm er die Regierungsgeschäfte. Er galt nun als volljährig und war der rechtmäßige Nachfolger seines Vaters. Das mussten auch die Bischöfe und Fürsten akzeptieren. Als der König gut 40 Jahre später – im Jahr 1106 – starb, bekam sein Sohn Heinrich V. (gesprochen: der Fünfte) die Krone. Da der jedoch keine eigenen Kinder hatte, endete die Herrschaft der Salier mit seinem Tod. Sie hatte fast genau hundert Jahre gedauert. Die nächste große deutsche Herrscherfamilie war die Familie der Staufer.

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