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Ein Herz für Monster

03.07.2020 05:30, Von Stefanie Paul — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Die Betonklötze in manchen Städten sehen für viele Leute hässlich aus – andere empfinden sie als raue Schönheit

Bis vor etwa 40 Jahren war ein besonderer Baustil supermodern. Dabei wurde mit viel Beton gearbeitet. Das findet heute nicht mehr jeder gut.

Das Foto zeigt den Vorplatz des Nevigeser Mariendoms in Velbert mit den Gebäuden der dazugehörigen Pfarrgemeinde. Viel sichtbarer Beton, das macht den Baustil des Brutalismus aus.
Das Foto zeigt den Vorplatz des Nevigeser Mariendoms in Velbert mit den Gebäuden der dazugehörigen Pfarrgemeinde. Viel sichtbarer Beton, das macht den Baustil des Brutalismus aus.

Für die einen sind es echte Hingucker: Gebäude mit klaren Formen und sichtbarem Beton. Für die anderen sind es Monster aus Beton! Groß, grau und hässlich.

Nordrhein-Westfalen, Bochum: Die Gebäude der Ruhr-Universität in Bochum werden auch dem Brutalismus zugerechnet.  Foto: picture alliance/Henning Kaiser/dpa
Nordrhein-Westfalen, Bochum: Die Gebäude der Ruhr-Universität in Bochum werden auch dem Brutalismus zugerechnet. Foto: picture alliance/Henning Kaiser/dpa

Um was es hier geht? Es geht um Gebäude, die in einem besonderen Stil erbaut wurden. Man nennt ihn Brutalismus.

Dieser Stil war bis vor etwa 40 Jahren sehr modern. Kirchen und Büchereien wurden so gebaut, aber auch Universitäten, Rathäuser und große Wohngebäude. Heute finden viele Leute diese Gebäude einfach nur hässlich. Das hat unter anderem damit zu tun, dass sie aus einem bestimmten Stoff gebaut sind: Beton. Sehr viel Beton!

So sieht die Rückseite des Mariendoms in Neviges aus.  Fotos: Stefanie Paul/dpa
So sieht die Rückseite des Mariendoms in Neviges aus. Fotos: Stefanie Paul/dpa

„Viele Leute erschrecken, wenn sie so ein Gebäude sehen“, sagt Oliver Elser. Er arbeitet am Deutschen Architekturmuseum in der Stadt Frankfurt am Main. Aber sind diese Beton-Monster wirklich so schlimm? „Oder sind sie vielleicht nicht sogar schützenswert?“, fragt der Fachmann.

Viel Beton, aber irgendwie auch schön: So sieht der Mariendom in Neviges von innen aus.
Viel Beton, aber irgendwie auch schön: So sieht der Mariendom in Neviges von innen aus.

Vielen dieser Bauten geht es mittlerweile an den Kragen, sie sollen abgerissen werden – oder wurden es schon. Allerdings entsteht bei so einem Abriss eine große Menge an Bauschutt und Sondermüll. Und das muss irgendwo entsorgt werden. Das ist einer der Gründe, warum viele Fachleute den Abriss nicht so gut finden. Aber es gibt noch mehr Gründe, diese besonderen Bauten lieber zu erhalten.

Oliver Elser erklärt, warum: „Der Brutalismus ist ein sehr direkter Baustil. Er zeigt, aus was die Gebäude wirklich gebaut sind. Wir sehen sie sozusagen ungeschminkt.“ Das bedeutet, es gibt keine Farbe an den Wänden und auch keinen Putz. Es gibt keine Verkleidung oder Dämmung. Stattdessen sieht man den grauen Beton. Zugegeben, das wirkt oft nicht besonders fein, sondern roh und unperfekt. Und manchmal auch etwas plump. „Doch in vielen Fällen sind die Gebäude sehr aufwendig gebaut und komplex“, erklärt Oliver Elser.

Und noch etwas ist besonders: Die Architekten, die sich die Gebäude ausgedacht haben, haben gerne übertrieben! In Kirchen, die im Brutalismus-Stil gebaut sind, gibt es zum Beispiel oft mehr Säulen und Träger als eigentlich notwendig. An manchen Bürogebäuden wiederum kann man dagegen viele Balkone erkennen. „Die sind an der Stelle eigentlich völlig sinnlos“, verrät der Experte.

Auf den ersten Blick mögen sie also vielleicht aussehen, wie riesige Beton-Monster. Doch wer genauer hinschaut, kann an und in den Gebäuden ganz schön viel entdecken.

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