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Ebenezer: Sport treiben und Wasser verkaufen

29.05.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Es ist vier Uhr morgens. Draußen ist es noch finster. Doch für Ebenezer ist es Zeit aufzustehen. Der Zwölfjährige hüpft aus dem Bett. Gemeinsam mit seiner Mutter und seiner zweijährigen Schwester lebt er in einem ärmeren Viertel in Cape Coast. Das liegt im Süden von Ghana, im Westen Afrikas.

Ebenezer wäscht sich kurz und fängt mit der Hausarbeit an. Mit einem kleinen Besen fegt er den Fußboden, räumt auf, bringt die Küche in Ordnung. Anschließend kümmert er sich um seine kleine Schwester, die sich blinzelnd den Schlaf aus den Augen reibt. Inzwischen ist es hell geworden, die Sonne scheint. Schnell packt Ebenezer seinen Schulranzen und flitzt los. Um 7.30 Uhr fängt die Schule an – und er hat noch eine halbe Stunde Fußmarsch vor sich. In seiner Schule stellt er sich mit seinen 45 Klassenkameraden in ordentlichen Reihen auf. „Bevor wir ins Klassenzimmer gehen, beten wir“, flüstert er auf Englisch und faltet die Hände. Plötzlich ertönen Trommelschläge. „Die Schulkapelle“, erklärt er und läuft mit den anderen im Rhythmus der Trommeln ins Klassenzimmer.

Heute hat Ebenezer unter anderem Mathe und Informatik. Aufmerksam hört er zu und meldet sich eifrig. „Ich mag die Schule sehr. Später will ich mal Ingenieur werden, dann haben es meine Familie und ich mal besser“, sagt er stolz und seine großen, braunen Augen glänzen. „Aber mein allergrößter Traum ist es, ein Rugbystar zu werden!“, fügt er hinzu. Rugby ist ein Mannschaftssport mit einem Ball, der wie ein Ei aussieht. „Ich bin ein guter Spieler!“ Als um 15.30 Uhr die Schule aus ist, kann Ebenezer es kaum erwarten, zum Training zu kommen. Er eilt los. Seine Mannschaft wartet schon. Ebenezer rennt flink über das Feld, schnappt sich den Ball und spornt seine Mitspieler an. Seit zwei Jahren ist der Zwölfjährige Kapitän seines Teams. Die Mannschaft trainiert viermal die Woche. Das Training vergeht schnell. Schon ist es fünf Uhr. Ebenezer muss nach Hause. Dort wartet seine kleine Schwester schon auf ihn. Der Junge nimmt sie auf den Arm. „Heute bleibe ich bei ihr, weil meine Mutter gleich arbeiten geht“, erklärt er.

Wenn seine Mutter zu Hause bleibt, muss Ebenezer oft selbst losziehen und Wasser verkaufen. Und das manchmal vier Stunden am Tag. Das müssen viele Kinder hier in Ghana. Ebenezer freut sich daher schon aufs nächste Training. Denn jedes Mal wird er besser. Und er kommt seinem Traum, ein Rugbystar zu werden, ein Stückchen näher.

Der zwölfjährige Ebenezer Henry Monford (hinten Mitte, im grünen T-Shirt) mit seiner Rugby-Mannschaft und seinem Coach George Ladipo (ganz rechts) auf dem Trainingsfeld Foto: Julia Henninger

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