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Die Worte wohnen häufig links - Wie man Sprachen lernt

26.09.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bra, bra, bra . . . Brabbeln und Schreien gehen leicht. Aber richtig sprechen, am besten noch viele fremde Sprachen – das muss man lernen. Denn sprechen können ist nicht angeboren. Wenn ein Kind zur Welt kommt, kann es zwar schon prima brüllen, also laute Töne machen. Aber das sind längst noch keine Wörter und Sätze. Bis Babys das können, dauert es einige Zeit: „Die Laute, die die anderen Menschen machen, müssen eine Bedeutung bekommen“, erklärt die Hirnforscherin Cordula Nitsch.

Deshalb fängt ein Kind irgendwann an, auf Dinge zu zeigen. Die Erwachsenen sagen ihm dann, wie das Ding heißt. So lernt man als kleiner Mensch, Wort für Wort zu sprechen. Wie man Wörter richtig sagt und was sie bedeuten, guckt das Kind sich meist bei seinen Eltern und Geschwistern ab. Auch deshalb nennen viele heute die erste Sprache auch „Muttersprache“.

Wenn Eltern immer in zwei Sprachen mit ihrem Kind sprechen, dann lernt es sogar beide Sprachen. Das ist eine große Leistung! Ist ein Mensch erst einmal älter, kostet es ihn nämlich viel Mühe, eine neue Sprache zu büffeln. Er paukt Grammatik und Vokabeln. Kleine Kinder dagegen begreifen vieles in der Muttersprache meist ganz von allein.

Aber was passiert eigentlich im Gehirn, wenn wir etwas lernen? Es ist ein bisschen so, wie wenn wir neue Freundschaften knüpfen: Unsere Gehirnzellen sind miteinander verbunden. Aber weil es so viele sind – rund 100 Milliarden, das ist eine Eins mit elf Nullen! – ist nicht jede Zelle mit allen anderen verknüpft. Die Zellen bilden Gruppen, so ähnlich wie wir Menschen mit unseren Freunden. Wenn wir etwas lernen, entstehen aber nicht einfach neue Gehirnzellen, sondern die alten Gehirnzellen knüpfen neue Kontakte.

Allerdings sind nicht alle Gehirnteile für alles gleichzeitig zuständig. Unser Denkzentrum ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt. „Manche sind für das Sehen zuständig, andere fürs Hören, wieder andere für Bewegungen. Und dann gibt es eben auch Bereiche für die Sprache“, sagt Cordula Nitsch.

Der wohl wichtigste Bezirk fürs Sprechen liegt in der linken Hälfte. Viele Teile von Sprachen lernen wir also mit links!

Allerdings fällt das Büffeln von Vokabeln in Englisch oder Spanisch manchen Menschen richtig schwer. Andere dagegen müssen nur ein paar Wochen in ein fremdes Land reisen und schwups – sie können sich schon in der neuen Sprache unterhalten. Solche Leute besitzen ein besonderes Sprachtalent. Und warum ist dieses Talent so ungerecht verteilt? Das weiß man nicht genau. Ist es angeboren? Oder wird man zum Sprachgenie, wenn man als Kind viel liest und vorgelesen bekommt? „Wahrscheinlich ist beides wichtig“, sagt Cordula Nitsch.

Im Gehirn sind bestimmte Bezirke für unsere Fähigkeiten zuständig.

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