Schwerpunkte

Paulas Nachrichten

Die versteckte Kunst im Zoo

09.10.2020 05:30, Von Philipp Brandstädter — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ein Künstler schafft für die Tiere eine beinahe natürlich wirkende Landschaft

Der Künstler Uwe Thürnau gestaltet Gehege in Zoos. Er modelliert Felsen oder malt Landschaften auf die Wände. So hat er das Raubtierhaus des Zoos Berlin gerade in eine tolle Dschungel-Landschaft verwandelt.

Die Löwen im Berliner Zoo haben neue Gehege bekommen.  Fotos: Philipp Brandstädter
Die Löwen im Berliner Zoo haben neue Gehege bekommen. Fotos: Philipp Brandstädter

BERLIN. Ein Löwe streift durch sein Gehege. Die staunenden Besucher im Zoo verfolgen, wie er auf den Felsen zu seinem Aussichtspunkt klettert. Darunter, in einer Höhle, dösen zwei Löwenjunge im kühleren Schatten. Die Leute knipsen Fotos von den Tieren. Dabei achten sie nur auf die Raubkatzen. Ob da jemand überhaupt ahnt, dass die Steine, Felsen und die Höhle gar nicht echt sind?

„Die Besucher schauen vor allem auf die Tiere und nicht die Umgebung“, sagt Uwe Thürnau. „Sie sollen auch gar nicht merken, dass vieles nur Kulisse ist.“ Der Mann gestaltet die Gehege von Zootieren mit Beton, Gips, Holz und Farbe. Er bemalt Wände und Böden, lässt Türen und Luken unsichtbar werden, baut Felsen, Wasserbecken und Höhlen. Durch seine Arbeit sehen die Gehege im Zoo fast so aus wie eine Wildnis.

Ihn faszinieren Natur und Tierwelt

Während andere Künstler auf Leinwände malen, arbeitet Uwe Thürnau seit vielen Jahren im Zoo. Anfangs malte er Schilder, Schautafeln und Wegweiser. Solche Dinge werden mittlerweile aber meistens gedruckt oder auf Bildschirmen angezeigt. Heute ist Uwe Thürnau in vielen Zoos für seine naturnahen Kulissen bekannt.

„Die Natur und die Tierwelt faszinieren mich“, sagt Uwe Thürnau. Er ist ganz begeistert davon. Also hat er auch seine Arbeit der Natur gewidmet. Der Künstler ist zum Beispiel viel durch Afrika gereist. Dort hat Uwe Thürnau sich genau angeschaut, wie und wo die Tiere leben, die wir hierzulande nur aus dem Zoo kennen.

Als würden die Leute die Tiere in freier Natur beobachten

Seine Eindrücke von Landschaften wie etwa der Savanne in Afrika hat Uwe Thürnau schon häufig auf die Wände in Zoos und Tierparks gemalt. „Meine Arbeit soll so lebensecht wie möglich aussehen“, sagt der Künstler. „Am besten ist es, man merkt gar nicht, dass eine Kulisse nur gemalt ist.“ So können sich die Leute im Zoo für einen Augenblick vorstellen, sie würden die Tiere in freier Natur beobachten.

„Die Tiere erkennen die gemalten Landschaften auf den Wänden vermutlich nicht“, sagt Uwe Thürnau. Im neu gestalteten Raubtierhaus des Zoos in Berlin wurden nun die Gehege vergrößert. Dort wurden die Begrenzungen zu den Besuchern ein paar Meter nach vorn verlegt. Die Löwen sind hinter einer Glaswand zu sehen.

Alte Grenzen wie Gitter zum Beispiel wurden abgebaut. Die Betonpfeiler, die vorher außerhalb des Geheges waren, hat Uwe Thürnau mit Beton in lebensecht wirkende Bäume verwandelt. So haben auch die Zootiere etwas von seiner Kunst.

Paulas Nachrichten