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Die Tiere haben Langeweile

08.04.2020 05:30, Von Philipp Brandstädter — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Zootiere sind an die Besucher gewöhnt und beobachten sie oftmals auch

Viele Menschen besuchen gerne die Tiere in Zoos und Tierparks. Doch wegen des Coronavirus haben viele Anlagen geschlossen. Manche Tiere genießen die entspannte Zeit ohne Publikum. Andere langweilen sich ohne die Menschen. Ein Spaziergang durch einen Zoo ohne Besucher.

Vor kurzem schauten den Panda-Zwillingen noch viele Leute zu. Foto: Gregor Fischer
Vor kurzem schauten den Panda-Zwillingen noch viele Leute zu. Foto: Gregor Fischer

Pit und Paule raufen. Paule packt Pit mit einem herzhaften Biss ins Fell und zerrt ihn von der Astgabel. Der kann sich gerade noch festhalten. Aber Paule macht kurzen Prozess: Mit einer lässigen Bewegung stupst er seinen Bruder vom Baumstamm. Als der rücklings auf dem Boden liegt, stürzt sich Paule auf ihn. Es gab schon Tage, da standen die Leute Schlange, um so etwas zu sehen. Doch an diesem Tag ist nichts los im Pandahaus im Zoo Berlin. Dabei sind die beiden Pandababys Pit und Paule die Stars des Zoos. Die beiden sind sieben Monate alt.

Schimpanse Kalle in seinem Gehege im geschlossenen Berliner Zoo. Kalle ist großer Schuh-Fan und guckt sich gerne die Schuhe von Besuchern an. Foto: Philipp Brandstädter
Schimpanse Kalle in seinem Gehege im geschlossenen Berliner Zoo. Kalle ist großer Schuh-Fan und guckt sich gerne die Schuhe von Besuchern an. Foto: Philipp Brandstädter

Dass die Zuschauer gerade fern bleiben, liegt aber nicht daran, dass sich niemand mehr für die Pandas interessiert. Der Zoo hat wegen des neuen Coronavirus bis auf Weiteres geschlossen, genau wie die anderen Tierparks in Deutschland.

Auch dieser Zeitgenosse fragt sich wohl: „Wo sind denn all die Leute hin?“ Foto: dpa
Auch dieser Zeitgenosse fragt sich wohl: „Wo sind denn all die Leute hin?“ Foto: dpa

In diesen ungewöhnlichen Tagen sieht es im Zoo so aus, wie es sonst früh morgens oder spät abends aussieht: Vom Personal abgesehen ist kein Mensch auf dem Gelände. Die meisten Tiere bekommen das mit. „Manche von ihnen verhalten sich tatsächlich anders als sonst“, erklärt Zoo-Sprecherin Philine Hachmeister. „Sie entdecken neue Lieblingsplätze in ihrem Gehege. Oder sie widmen sich nun besonders aufmerksam ihren Mitbewohnern, wie wir es zum Beispiel bei den Vögeln beobachten können.“

Die Pandakinder Pit und Paule gehören nicht dazu. Sie sind viel zu sehr mit Spielen oder Dösen beschäftigt. Ob Besucher oder nicht – die Kleinen lassen sich von den Menschen nicht allzu sehr stören.

Ein Zoobesuch ist gerade nur im Internet möglich

Andere Tiere scheinen ihr Publikum richtig zu vermissen, zum Beispiel im Affenhaus. Dort sitzt Schimpanse Kalle vor der großen Scheibe. Er hat seine Arme auf den Knien abgelegt und popelt verträumt in der Nase.

„Kalle interessiert sich besonders für Schuhe“, sagt Pfleger Ruben Gralki. „Er lockt die Leute oft näher an die Scheibe heran, um sich die Schuhe der Besucher besser anschauen zu können.“ Gerade hat er nur noch wenig zu gucken.

Auch im Streichelzoo fehlen die Besucher. Die Schafe und Ziegen sind ganz verwirrt. Warum streckt ihnen keiner mehr ein paar frische Büschel Gras entgegen? Warum laufen keine Kinder über das Gelände, um sie zu streicheln? Auch dort sind jetzt umso mehr die Pflegerinnen und Pfleger gefragt. Von ihnen bekommen die Tiere ein paar Streicheleinheiten und etwas Futter extra. „Wir nehmen uns jetzt ein bisschen mehr Zeit für die Tiere“, sagt Ruben Gralki. Ziegen, Affen und Pandas sind also gut versorgt. Trotzdem hoffen die Angestellten im Zoo natürlich, dass die Leute bald wieder zu Besuch kommen dürfen.

Fenster putzen müssen die Angestellten im Zoo nicht mehr so häufig. Solange die Anlagen für die Besucher geschlossen bleiben, kann sich auch niemand die Nase an den Scheiben platt drücken. Da ist es nicht so schlimm, wenn das eine oder andere Glas mal nicht ganz so blitzeblank poliert ist. Auch die Schaufütterungen fallen derzeit aus. Stattdessen hat das Zoo-Personal ein paar andere Dinge zu tun.

So werden zum Beispiel manche Anlagen gründlich gereinigt. Hier und dort bauen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Gehege um. In manchen Aquarien wechseln sie das Wasser. Andere Mitarbeiter können sich etwas mehr Zeit für die Tiere nehmen. Außerdem gibt es jede Menge Papierkram abzuarbeiten. Die Pflegerinnen und Pfleger versuchen also, die Zeit ohne Besucher so gut es geht zu nutzen.

Viele Leute finden es unheimlich schade, dass man jetzt nicht in den Zoo kann. Denn gerade die Jungtiere werden rasch groß. Ihre Fans wollen gern wissen, wie es den Tieren geht und wie sie sich entwickeln. Viele Zoos haben sich deshalb Gedanken gemacht, wie die Leute ihre tierischen Lieblinge auch weiterhin sehen können. Auf ihren Internetseiten und den sozialen Netzwerken zeigen sie etwa Fotos und Videos.

Manchmal werden die Tiere sogar dauerhaft von einer Kamera gefilmt. Dann wissen die Leute auch von zu Hause aus, was die Zootiere gerade so treiben.

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